Aktualisiert: 2026-07-10
1954 – ein Jahr, das man in Tempelhof nicht vergisst. Mit 131 Tagen Niederschlag über 1 mm fiel die Rekordmarke in einer Zeit, als Berlin noch in Trümmern lag und jeder zweite Tag nass war. Seither ist der Trend eindeutig: Die 2020er Jahre liegen mit durchschnittlich 88,9 Regentagen pro Jahr auf Talfahrt. Der Unterschied? Fast 42 Regentage weniger pro Jahr – das sind etwa 6 Wochen Trockenheit mehr im Kalender.
Seit Beginn der Messungen im Januar 1948 bis zum 6. Juli 2026 hat die Station Berlin-Tempelhof genau 7976 Tage mit mindestens 1 mm Niederschlag registriert. Verteilt auf 79 vollständige Jahre ergibt das einen Jahresdurchschnitt von etwa 101 Regentagen – rechnerisch also fast jeden dritten Tag. Aber die Verteilung ist alles andere als gleichmäßig.
Das extreme Jahr 2018 sticht heraus: Nur 69 Regentage – das ist der absolute Tiefstwert seit 1948. Auf der anderen Seite steht das Rekordjahr 1954 mit 131 Regentagen, gefolgt von 1970 (129 Tage) und 2007 (126 Tage). In den letzten 30 Jahren kletterte kein einziges Jahr mehr über die Marke von 125 Regentagen – das Maximum lag 2007 bei 126 Tagen, und das blieb eine Ausnahme.
Der trockenste Sommer im Datenbestand? 2022 mit nur 84 Regentagen und einer Jahressumme von 389,3 mm – das ist kaum mehr als die Hälfte des nassen Jahres 2007 mit 832,7 mm. Übrigens: 2026 ist noch nicht abgeschlossen (nur bis Juli), aber mit 37 Regentagen und 193,4 mm liegt es derzeit auf Rekordkurs Richtung Trockenrekord.
Die folgende Tabelle zeigt für jedes Jahr die Anzahl der Regentage (Niederschlag ≥ 1 mm) und die dazugehörige Jahressumme in Millimetern. Nasse Jahre in Blau, trockene in Orange – der Trend ist klar.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | Regentage | Niederschlag (mm) |
|---|---|---|
| 1954 | 131 | 741,3 |
| 1966 | 121 | 777,7 |
| 1974 | 118 | 784,1 |
| 2007 | 126 | 832,7 |
| 2017 | 112 | 796,4 |
| 2023 | 120 | 744,0 |
| 2026 | 37 | 193,4 |
Betrachtet man die mittlere jährliche Regentagzahl pro Dekade, wird der Rückgang noch deutlicher. Die 1960er Jahre waren mit durchschnittlich 108,0 Regentagen die nasseste Dekade, die 2020er Jahre (Daten bis 2026) liegen bei 88,9 – das ist ein Minus von fast 20 Tagen pro Jahr im Vergleich zum Höchststand.
| Dekade | Regentage ∅ pro Jahr |
|---|---|
| 1940er | 94,5 |
| 1950er | 101,8 |
| 1960er | 108,0 |
| 1970er | 102,9 |
| 1980er | 103,0 |
| 1990er | 101,4 |
| 2000er | 103,2 |
| 2010er | 96,2 |
| 2020er | 88,9 |
Die Trockenheit der letzten Jahre ist kein Zufall: Nach dem Rekordtief 2018 mit nur 69 Regentagen sackte auch das folgende Jahrzehnt insgesamt ab. Wer in Berlin lebt oder einen Umzug plant, sollte sich also auf weniger Regentage einstellen – aber möglicherweise auf intensivere Starkregenereignisse, die in der Gesamtsumme wieder für hohe Niederschläge sorgen (wie 2023 mit 120 Regentagen und 744,0 mm).
Die Daten der DWD-Station Berlin-Tempelhof zeigen einen klaren Trend: Seit den 1960er Jahren sind die Regentage um durchschnittlich 19 Tage pro Jahr gesunken. Das entspricht fast drei Wochen mehr Trockenheit pro Jahr. Klimamodelle erklären dies mit einer Verschiebung der Zugbahnen von Tiefdruckgebieten – sie ziehen häufiger nördlich an Berlin vorbei. Hinzu kommt die größere Aufnahmefähigkeit der wärmeren Atmosphäre: Wenn es regnet, fallen oft größere Mengen auf einmal, dafür seltener.
Datenquelle: Deutscher Wetterdienst (DWD) – Climate Data Center, Station Berlin-Tempelhof (Indikativ 00433). Auswertung über den Zeitraum 1948–2026 (letzter Messwert: 6. Juli 2026). Alle Angaben beziehen sich auf Niederschlag ≥ 1 mm pro Tag. Lizenz: GeoNutzV.
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