Aktualisiert: 2026-08-17
Wer in München Holzmöbel besitzt, kennt das Phänomen: Im Winter knackt das Parkett, im Sommer klemmt die Schublade. Die offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Station München-Stadt zeigen, wie extrem dieses Wechselspiel tatsächlich ist. Seit Beginn der Aufzeichnungen am 01.06.1954 bis zum 15.08.2026 gab es 17.297 Tage mit einer Luftfeuchtigkeit über 70 Prozent – ein Dauerzustand, der Holz aufquellen lässt. Tage mit hohem Quellungsrisiko im Winterhalbjahr.
Holz arbeitet – das ist physikalisch unvermeidbar. Es nimmt Feuchtigkeit auf, wenn die Umgebungsluft feucht ist, und gibt sie ab, wenn die Luft trocken ist. In München ist das Klima dafür besonders fordernd. Die mittlere jährliche Luftfeuchtigkeit liegt an der Station München-Stadt bei 76,6 Prozent – ein Wert, der deutlich über der kritischen Schwelle von 70 Prozent liegt, ab der Holz spürbar aufquillt.
Doch die Spanne ist gewaltig. In den über 72 Jahren der Messreihe schwankte die relative Luftfeuchtigkeit zwischen einem absoluten Minimum von 25,0 Prozent und einem Maximum von 100,0 Prozent. Das bedeutet: Ihre Möbel erleben in München nicht nur ein feuchtes, sondern auch ein extrem trockenes Spektrum – und das oft innerhalb weniger Wochen. Ein Holzregal, das im Januar bei 82 Prozent Luftfeuchtigkeit aufquillt, kann im April bei 62 Prozent wieder schrumpfen und Risse bekommen.
Für Holzbesitzer sind zwei Schwellenwerte entscheidend: Unter 40 Prozent Luftfeuchtigkeit wird das Holz zu trocken und reißt – oberhalb von 70 Prozent quillt es auf. Die DWD-Daten für München-Stadt zeigen eine beeindruckende Asymmetrie über den gesamten Messzeitraum:
| Messwert | Wert |
|---|---|
| Mittlere jährliche Luftfeuchtigkeit | 76,6 % |
| Minimale Luftfeuchtigkeit | 25,0 % |
| Maximale Luftfeuchtigkeit | 100,0 % |
| Tage mit Feuchte über 70 % (gesamtes Jahr) | 37.844 |
| Tage mit Feuchte unter 40 % (gesamtes Jahr) | 89 |
| Tage mit Quellungsrisiko im Winterhalbjahr | 17.297 |
| Tage mit Quellungsrisiko im Sommerhalbjahr | 528 |
| Gesamtzahl der Messtage | 53.890 |
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Von insgesamt 53.890 Messtagen waren 37.844 Tage feuchter als 70 Prozent. Das sind Tage, an denen Holz aufquillt, Türen klemmen und Furniere sich wölben. Besonders auffällig ist das Winterhalbjahr: 17.297 Tage mit kritischer Feuchte stehen nur 528 Tagen im Sommerhalbjahr gegenüber. Das überrascht auf den ersten Blick, denn der Sommer gilt vielen als feuchte Jahreszeit – doch die DWD-Daten zeigen: Der Oktober ist mit einer mittleren Luftfeuchtigkeit von 86,0 Prozent der feuchteste Monat in München, gefolgt vom Dezember mit 82,5 Prozent und dem November mit 82,0 Prozent.
Die folgende Tabelle zeigt die monatliche Verteilung der Luftfeuchtigkeit und weiterer Klimawerte für die Station München-Stadt im Referenzzeitraum (1961–1990). Sie macht deutlich, dass die Quellungsgefahr nicht das ganze Jahr gleich ist – und dass Trockenheitsrisiken vor allem im späten Frühjahr auftreten.
| Monat | Temp. (°C) | Max. Temp. (°C) | Min. Temp. (°C) | Niederschlag (mm) | Luftfeuchte (%) | Sonne (Std.) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 1,8 | 5,5 | -1,7 | 71,0 | 75,8 | 102,5 |
| Februar | 7,8 | 11,4 | 4,6 | 38,5 | 70,2 | 98,2 |
| März | 8,9 | 14,2 | 4,4 | 56,9 | 68,6 | 143,6 |
| April | 11,1 | 16,6 | 5,7 | 51,7 | 62,6 | 173,6 |
| Mai | 14,9 | 20,3 | 9,8 | 205,2 | 69,4 | 223,0 |
| Juni | 18,6 | 23,8 | 13,9 | 134,3 | 70,5 | 211,3 |
| Juli | 20,6 | 26,3 | 15,4 | 109,3 | 70,0 | 255,1 |
| August | 21,1 | 26,8 | 15,8 | 114,6 | 72,6 | 258,4 |
| September | 15,3 | 20,3 | 11,2 | 199,9 | 76,2 | 172,0 |
| Oktober | 11,8 | 15,8 | 8,7 | 52,8 | 86,0 | 97,1 |
| November | 5,0 | 8,6 | 2,3 | 40,0 | 82,0 | 84,9 |
| Dezember | 2,0 | 4,7 | -0,4 | 52,6 | 82,5 | 62,8 |
Der April ist mit 62,6 Prozent der trockenste Monat – hier besteht die größte Gefahr, dass Holz zu stark austrocknet und Risse bekommt. Die nur 89 Tage mit weniger als 40 Prozent Luftfeuchtigkeit in der gesamten Messreihe fallen überwiegend in diese Jahreszeit. Für Möbelliebhaber heißt das: Im Frühjahr regelmäßig die Raumluft beobachten, im Herbst und Winter hingegen für ausreichende Belüftung sorgen, um Staunässe im Holz zu vermeiden.
Bemerkenswert ist auch der Oktober: Mit 86,0 Prozent mittlerer Luftfeuchtigkeit und immerhin 52,8 mm Niederschlag ist er der feuchteste Monat im Jahresverlauf. Wer in München ein Holzhaus baut oder Möbel einlagert, sollte diese saisonale Spitze kennen – sie prägt das Raumklima in den Übergangsmonaten entscheidend.
Die DWD-Daten für München-Stadt zeichnen das Bild einer Stadt, in der Holz im Jahresverlauf extremen Belastungen ausgesetzt ist. Die Schwankung zwischen 25,0 Prozent und 100,0 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit führt dazu, dass Möbel aus Massivholz je nach Jahreszeit sichtbar arbeiten. Ein Eichentisch, der im August bei 72,6 Prozent Feuchte aufquillt, kann im April bei 62,6 Prozent wieder schrumpfen – der Unterschied beträgt mehrere Millimeter pro Meter Holz.
Für die Praxis heißt das: Wer in München Holzmöbel kauft, sollte auf eine solide Verleimung und eine Oberflächenversiegelung achten. Die 17.297 Tage mit Quellungsrisiko im Winterhalbjahr sind kein statistisches Beiwerk – sie bedeuten, dass Holz in den kalten Monaten über 72 Jahre hinweg an rund der Hälfte aller Tage mit Feuchtigkeit gesättigt war. Das summiert sich: So manche Leimfuge, die heute klemmt, hat ihre Last über viele solcher Feuchteperioden getragen.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center. Station München-Stadt, Messzeitraum 1954–2026.
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