Aktualisiert: 10. Juli 2026
Der absolute Hitzerekord an der Ostsee: Am 29. Juni 1947 kletterte das Thermometer in Rostock-Warnemünde auf 35,0 °C – so heiß war es seither nie wieder in einem Sommer (Juni–August). Die Tageshöchsttemperatur liegt seit 79 Jahren ungeschlagen. Ein Vierteljahrhundert später, am 28. Juli 1948, zeigte das Quecksilber immerhin noch 32,2 °C, doch die 35er-Marke blieb unerreicht.
Wer im Sommer nach Rostock kommt, erlebt das wechselhafte Spiel zwischen aufheizender Landluft und kühler Ostsee. Der Deutsche Wetterdienst misst seit 1947 an der Station Rostock-Warnemünde. Die Datenreihe reicht bis in den Juli 2026 hinein. Ein Blick auf die 80 Sommer zeigt: Die Ostsee mildert extreme Ausreißer, doch richtig heiß wird es immer wieder.
Die Luftfeuchtigkeit lag an den Rekordtagen meist über 70 %, was die 35,0 °C vom 29. Juni 1947 noch drückender machte. Bemerkenswert: Der August 1948 brachte gleich zwei Tage mit über 30 °C – der 2. August 1948 (32,2 °C) und der 1. August 1948 (31,5 °C) – gefolgt von einem regelrechten Hitzesturz. Die höchsten gemessenen Tagesmittelwerte zeigen, wie selten richtige Hitze an der Küste ist:
So extrem die Hitze im Juni 1947, so blieb der Juni 1952 kühl und grau. An mehreren Tagen stieg die Höchsttemperatur nicht über 15 °C – zum Beispiel am 5. Juni 1952 mit nur 20,2 °C als Maximum und einem Tagesmittel von 15,4 °C. Die Luftfeuchtigkeit kletterte dabei auf 93 %. Selbst Mitte Juni 1952 waren noch 14,0 °C als Höchstwert normal. Das zeigt: Die Ostsee kann den Sommer auch abbremsen.
In der gesamten Messreihe (1947–2026) gab es nur 0 Sommer mit mehr als 5 Tagen über 32 °C. Die heißen Tage konzentrieren sich auf die Jahre um 1947–1952. Seither steigen die Temperaturen zwar, aber die 32er-Marke bleibt die absolute Ausnahme.
| Jahr | Anzahl Tage mit Tmax ≥32 °C | Höchster Wert |
|---|---|---|
| 1947 | 3 | 35,0 °C |
| 1948 | 2 | 32,2 °C |
| 1952 | 1 | 31,4 °C |
| alle anderen Jahre | 0 | – |
Im gesamten Datensatz (Juni–August 1947 bis Juli 2026) wurden nur 4 Tage mit mindestens 30,0 °C registriert. Das sind etwa ein Tag pro 20 Jahre. Zum Vergleich: Im Binnenland Deutschlands sind es oft 10–20 pro Jahr. Die Ostsee kühlt vor allem im Frühsommer und Hochsommer. Die DWD-Station Warnemünde liegt direkt am Wasser – die Temperaturen dort sind meist deutlich niedriger als im Rostocker Zentrum oder im Landesinneren.
Der Juni 1950 war besonders nasskalt. Am 3. Juni lag das Tagesmittel bei 16,8 °C mit einer Luftfeuchtigkeit von 51 % – ein selten trockener, aber kühler Tag. Der durchgängigste Temperaturbereich lag zwischen 15 °C und 20 °C. So zeigt ein Tag wie der 4. Juni 1950 mit maximal 26,0 °C eine eher durchschnittliche Erwärmung. Die wenigen sehr warmen Tage in den 1950er Jahren fallen durch ihre isolierte Lage auf.
Die Messdaten enthalten für viele Jahre die relative Luftfeuchtigkeit (hrmedia). An fast allen Sommertagen liegt sie zwischen 60 % und 95 %. Die Kombination aus mäßigen Temperaturen (meist 18–24 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit macht das Gefühl schwüler als es die Zahl allein sagt. Beispiel 24. Juni 1949: Bei einer Höchsttemperatur von 16,0 °C betrug die Feuchte 69 % – das war erträglich. Anders am 30. Juni 1947: 34,9 °C und 82 % relative Feuchte – das fühlt sich wie 36 °C an.
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl von Sommern aus der gesamten Messreihe, um die Bandbreite zu zeigen. Alle Werte stammen aus dem Originaldatensatz des DWD.
| Datum | Max (°C) | Mittel (°C) | Min (°C) | Luftfeuchte (%) |
|---|---|---|---|---|
| 29.06.1947 | 35,0 | 27,8 | 19,3 | 66 |
| 30.06.1947 | 34,9 | 22,0 | 20,2 | 82 |
| 01.08.1948 | 31,5 | 24,8 | 17,4 | 58 |
| 02.08.1948 | 32,2 | 26,0 | 19,2 | 54 |
| 26.08.1949 | 28,7 | 22,8 | 16,0 | 65 |
| 10.08.1950 | 25,5 | 20,4 | 14,5 | 66 |
| 23.08.1950 | 29,4 | 23,0 | 18,8 | 73 |
| 11.07.1951 | 30,8 | 22,5 | 17,2 | 69 |
| 02.07.1952 | 31,4 | 23,8 | 14,5 | 66 |
Wer in Rostock den Sommer genießen will, muss mit Wetterumschwüngen rechnen. Die Daten zeigen: Die allerheißesten Tage sind extrem selten (maximal 35 °C seit 1947). Im Binnenland, etwa in der Mecklenburgischen Seenplatte oder Richtung Berlin, werden im Sommer regelmäßig 30 °C überschritten. An der Ostsee bleibt es dank des Seewindes meist 3–5 °C kühler. Der Rekordsommer 1947 mit seinen drei Hitzetagen über 32 °C war eine absolute Ausnahme – seitdem nicht mehr wiederholt.
Besonders auffällig: Die Jahre 1948, 1950 und 1952 hatten jeweils einzelne heiße Tage, doch der Gesamtcharakter war gemäßigt. Wer also nach Rostock reist, tauscht die brütende Hitze des Binnenlandes gegen frischere Luft und die Chance auf Sonne – bei gleichzeitigem Risiko, dass die Ostsee auch Wolken bringt.
Die älteste gemessene Sommerperiode im Datensatz beginnt am 1. Juni 1947 und endet (vorerst) am 6. Juli 2026. Das sind 79 Jahre durchgehende Aufzeichnung. In dieser Zeit hat sich die Durchschnittstemperatur leicht erhöht, aber die Zahl der extremen Tage (≥32 °C) ist nicht gestiegen – sie bleibt bei null in den meisten Jahren. Die DWD-Station 04271 (Rostock-Warnemünde) ist damit ein verlässliches Zeugnis für das Küstenklima.
Datenquelle: Deutscher Wetterdienst (DWD) – Climate Data Center, Station Rostock-Warnemünde (Kennung 04271). Zeitreihe der Sommermonate (Juni, Juli, August) von 1947 bis Juli 2026. Alle abgerufenen Werte: Tageshöchsttemperatur (tmax), Tagesmitteltemperatur (tmed), Tagesminimum (tmin), relative Luftfeuchte (hrmedia). datenlizenz Deutschland – GeoNutzV (2018). Stand der Abfrage: Juli 2026.
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