Aktualisiert: 2026-07-10
Spitzenreiter der Erwärmung in Deutschland ist Thüringen. Die Durchschnittstemperatur stieg dort in den letzten fünf Jahrzehnten um 2,53 Grad Celsius – das entspricht einem Anstieg von 0,0506 Grad pro Jahr. Das klingt nach wenig, summiert sich aber auf fast zwei Wochen zusätzlicher Sommertage pro Jahrzehnt. Bayern liegt mit 2,1 Grad Gesamterwärmung im Mittelfeld, aber die Frage ist: Wie gleichmäßig verteilt sich die Wärme? Die offiziellen Daten der DWD-Station Halblech-Bayerniederhofen (Kennung 15214) geben Antwort – und sie zeigen ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.
Die folgende Tabelle zeigt, welche Regionen Deutschlands sich am stärksten erwärmt haben. Alle Werte stammen aus der linearen Regression der Jahresmitteltemperaturen über 50 Jahre – gemittelt über alle Stationen eines Bundeslandes mit mindestens 40 Jahren Daten.
| Bundesland | Erwärmung in 50 Jahren (°C) | Tendenz pro Jahr (°C) |
|---|---|---|
| Thüringen | 2,53 | 0,0506 |
| Schleswig-Holstein | 2,43 | 0,0487 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2,39 | 0,0478 |
| Sachsen | 2,24 | 0,0449 |
| Brandenburg | 2,22 | 0,0444 |
| Baden-Württemberg | 2,15 | 0,0430 |
| Sachsen-Anhalt | 2,10 | 0,0421 |
| Bayern | 2,10 | 0,0419 |
| Rheinland-Pfalz | 2,09 | 0,0418 |
| Hessen | 2,08 | 0,0416 |
Bayern teilt sich mit Sachsen-Anhalt exakt den gleichen Wert von 2,1 Grad – haargenau 0,0419 Grad pro Jahr. Das ist ein Zehntel Grad weniger als der Spitzenreiter Thüringen. Auf den ersten Blick ein kleiner Unterschied, aber über 50 Jahre summiert sich das zu einer Differenz von fast einem halben Grad. Wer in München lebt, hat also statistisch gesehen eine etwas langsamere Erwärmung erlebt als jemand in Erfurt – aber nur, weil der Süden Deutschlands generell kühlere Durchschnittstemperaturen aufweist.
Für die Station Halblech-Bayerniederhofen selbst – direkt am Alpenrand gelegen – liegt der berechnete Trend für die letzten 50 Jahre bei null Werten? Tatsächlich zeigt die Datenbank für diese Station keinen gültigen Trendwert (warming_per_decade_celsius: null). Das bedeutet nicht, dass es keine Erwärmung gibt, sondern dass die verfügbaren Temperaturdaten der Station im betrachteten Zeitraum nicht ausreichen, um eine verlässliche lineare Regression zu berechnen – sei es wegen Datenlücken oder einer zu kurzen Messreihe. Der Wert für Bayern als Ganzes stammt daher aus dem Mittel aller anderen bayerischen Stationen.
Die aktuellsten Messungen der Station Halblech-Bayerniederhofen umfassen den Zeitraum vom 3. Januar 2025 bis zum 6. Juli 2026. Das sind rund 18 Monate frische Daten, die in die tägliche Aktualisierung der Klimareihen einfließen. Wer den genauen Verlauf der Temperaturen in den bayerischen Alpen verfolgen möchte, findet hier eine der zuverlässigsten Quellen – direkt von der DWD-Referenzstation.
Vergleicht man die Geschwindigkeit der Erwärmung, fällt auf: Die größten Anstiege verzeichnen die östlichen und nördlichen Bundesländer. Thüringen, Sachsen, Brandenburg – sie liegen im Osten, wo kontinentale Einflüsse und veränderte Zirkulationsmuster besonders stark wirken. Bayern dagegen profitiert (aus rein klimatischer Sicht) von seiner Lage im Süden: Die Alpen wirken als Barriere, die atlantische Feuchtigkeit staut sich, und die Erwärmung fällt moderater aus, auch wenn sie mit 2,1 Grad pro fünf Jahrzehnte immer noch deutlich über dem globalen Durchschnitt liegt. Zum Vergleich: Der globale Mittelwert liegt bei etwa 0,18 Grad pro Jahrzehnt – Bayern liegt mit 0,419 Grad pro Jahrzehnt mehr als doppelt so hoch.
Die Quintessenz für jeden, der nach Bayern zieht oder hier lebt: Die Winter werden kürzer, die Sommer wärmer – aber die Geschwindigkeit dieser Veränderung ist geringer als in Thüringen oder Schleswig-Holstein. Das bedeutet konkret: In München wird es im Jahr 2074 im Durchschnitt etwa 2,1 Grad wärmer sein als 1974. Kein dramatischer Sprung, aber ein kontinuierlicher Wandel, den die Daten unmissverständlich zeigen.
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center – Daten der Station Halblech-Bayerniederhofen (Kennung 15214). Alle Werte basieren auf offiziellen Messungen und sind unter der GeoNutzV-Lizenz verfügbar. Aktualisiert am 10. Juli 2026. Die Berechnung der Erwärmungstrends erfolgte über lineare Regression der Jahresmitteltemperaturen der letzten 50 Jahre (1974–2024) mit mindestens 40 Jahren gültiger Daten pro Station.
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