Aktualisiert: 2026-08-17
Ja, es gibt sie – und sie können richtig heftig ausfallen. Der kälteste Spätfrost, den die Station Hamburg-Fuhlsbüttel seit 1936 im April oder Mai gemessen hat, liegt bei -7,1 °C Minimumtemperatur. Dieser Wert wurde gleich zweimal erreicht: am 10. April 1941 und am 8. April 2003. Besonders bemerkenswert: Der zweite Treffer liegt mitten in der jüngeren Klimaperiode, nicht etwa in einer längst vergangenen Kältephase.
Wer Obstbäume plant oder ein Frühbeet bestückt, kennt die Frage: Kann der Frost der Blüte gefährlich werden? Die Antwort gibt die Wetterhistorie. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) führt für Hamburg-Fuhlsbüttel eine lückenlose Temperaturreihe, die bis ins Jahr 1936 zurückreicht. Ausgewertet wurden alle Tage von April bis Mai mit einer Minimumtemperatur unter dem Gefrierpunkt. Das sind die klassischen Spätfröste, die nach dem ersten meteorologischen Frühlingsbeginn noch einmal Schaden anrichten können.
Die Daten zeigen: Ein einziger frostfreier April ist in dieser langen Messreihe nie aufgetreten. In jedem einzelnen Jahr zwischen 1936 und 2026 gab es mindestens eine Nacht mit Minusgraden – mit einer Ausnahme im Jahr 2009, für das in der Auswertung kein Wert verzeichnet ist. Die Spanne reicht von harmlosen -0,2 °C (13. April 1998) bis zu den erwähnten -7,1 °C. Solche tiefen Werte sind kein statistischer Ausreißer, sondern wiederkehrende Realität: Auch 1941, 1945, 1957, 1958, 1986, 1991 und 2013 fielen die Werte unter -6 °C.
Die folgende Tabelle zeigt für jedes Jahr seit 1936 die tiefste gemessene Minimumtemperatur im April oder Mai und den dazugehörigen Tag. Gut zu erkennen ist die Bandbreite: Mal kommt der letzte Frost früh im April, mal erst Anfang Mai – und in manchen Jahren bleibt es die ganze Saison über mild, mit Werten knapp unter null.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | Minimumtemperatur (°C) | Datum |
|---|---|---|
| 1939 | -0,7 | 01.04.1939 |
| 1967 | -2,8 | 25.04.1967 |
| 1971 | -2,3 | 30.04.1971 |
| 1972 | -2,4 | 25.04.1972 |
| 1976 | -4,0 | 29.04.1976 |
| 1985 | -1,8 | 24.04.1985 |
| 1988 | -3,1 | 24.04.1988 |
Die mittleren Minimumtemperaturen der einzelnen Monate zeigen, warum der April die kritische Zeit ist: Im langjährigen Mittel liegt das Minimum im April bei 3,0 °C, im Mai schon deutlich höher bei 6,9 °C. Der März kommt auf 2,2 °C, der Februar auf 1,1 °C – der kälteste Monat im Mittel. Diese Werte gelten für das Jahr 2023 an der Station Hamburg-Fuhlsbüttel.
| Monat | Mittlere Minimumtemperatur (°C) |
|---|---|
| Januar | 2,5 |
| Februar | 1,1 |
| März | 2,2 |
| April | 3,0 |
| Mai | 6,9 |
| Juni | 11,3 |
| Juli | 13,1 |
| August | 13,0 |
| September | 11,7 |
| Oktober | 8,4 |
| November | 3,3 |
| Dezember | 2,4 |
Ein Blick auf die jüngeren Jahre zeigt: Spätfröste sind keine historische Randnotiz. 2013 zum Beispiel fiel die Temperatur am 1. April auf -6,8 °C, der dritttiefste Wert der gesamten Messreihe nach den beiden -7,1 °C. Und noch 2026 wurde am 22. April mit -1,5 °C die Nullgradgrenze erreicht. Selbst in Zeiten insgesamt wärmerer Jahresmittel bleibt der April in Hamburg ein Monat, in dem der Winter noch einmal zuschlagen kann – wer Obstbäume pflanzt, sollte das einplanen.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Station Hamburg-Fuhlsbüttel, Zeitraum 1936 bis 2026.
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