Aktualisiert: 2026-07-17
Stellen Sie sich vor: Es regnet nicht – vier Monate lang. Vom 1. Dezember 1946 bis zum 3. April 1947 fiel an der Wetterstation Berlin-Treptow kein einziger messbarer Niederschlag. Ganze 124 Tage blieb der Regenmesser trocken. Das ist die längste Trockenperiode, die je in Treptow aufgezeichnet wurde, seit die Messreihe im Dezember 1946 begann. Ein unvergessener Winter, der den Berlinern eine beispiellose Durststrecke bescherte – noch heute ist dieser Rekord ungebrochen.
Die offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Station Berlin-Treptow (Kennung 00434) umfassen den Zeitraum vom 1. Dezember 1946 bis zum 30. Juni 1971. In diesen fast 25 Jahren gab es eine ganze Reihe längerer Trockenphasen, aber keine kommt auch nur annähernd an diese heran. Die 124 aufeinanderfolgenden Tage ohne Niederschlag sind mehr als vier Monate oder über 17 Wochen – eine Zeitspanne, die vom meteorologischen Winteranfang bis in den frühen Frühling reicht. Die Vegetation im Südosten Berlins muss in jenem Jahr extrem gelitten haben.
Zum Vergleich: die zweitlängste Trockenperiode in diesem Datensatz dauerte 31 Tage – also rund ein Viertel des Rekords. Der Abstand ist enorm und zeigt, wie außergewöhnlich der Winter 1946/47 war.
| Rang | Beginn | Ende | Tage ohne Regen |
|---|---|---|---|
| 1 | 01.12.1946 | 03.04.1947 | 124 |
| 2 | 19.09.1949 | 19.10.1949 | 31 |
| 3 | 25.09.1959 | 19.10.1959 | 25 |
| 4 | 31.08.1969 | 20.09.1969 | 21 |
| 5 | 08.03.1953 | 27.03.1953 | 20 |
Die Tabelle zeigt die fünf längsten dokumentierten Trockenphasen aus dem gesamten Messzeitraum. Der Spitzenreiter ragt mit 124 Tagen so weit heraus, dass man fast von einer meteorologischen Anomalie sprechen kann. Die restlichen vier Perioden liegen alle zwischen 20 und 31 Tagen – was für Berliner Verhältnisse ebenfalls beachtlich, aber deutlich irdischer ist.
Zwischen dem 1. Dezember und dem 3. April liegen üblicherweise die Monate mit den höchsten Niederschlagsmengen in Berlin. Dass in dieser Zeit null Millimeter Regen oder Schnee registriert wurden, ist eine echte Seltenheit. Die Station Treptow befand sich damals am Rande der Stadt, in einem Gebiet, das heute dicht bebaut ist. Die Messungen der DWD-Wetterwarte erfolgten nach strengen Vorgaben – ein Ausfall oder ein Übersehen von Niederschlag ist praktisch ausgeschlossen. Der Rekord steht fest.
Die Berliner Bevölkerung erlebte 1947 einen extrem trockenen Winter und Frühling. Die Landwirtschaft musste mit massiven Ernteausfällen rechnen, und die Trinkwasserversorgung in der zerstörten Nachkriegsstadt wurde zur zusätzlichen Herausforderung. Dass es ausgerechnet in Treptow, einem traditionell grünen Bezirk mit vielen Gärten und Kleingewerbe, so lange trocken blieb, machte die Lage für die Anwohner besonders spürbar.
Nicht nur die Länge von 124 Tagen ist außergewöhnlich, sondern auch die Tatsache, dass dieser Rekord seit über 75 Jahren nicht gebrochen wurde. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder längere Trockenphasen, etwa im September 1949 (31 Tage) oder im Herbst 1959 (25 Tage), aber keine kam dem Rekord auch nur nahe. Selbst die heißen, trockenen Sommer der letzten Jahre (z. B. 2018, 2019, 2022) konnten in Treptow keine vergleichbare Serie von regenfreien Tagen erzeugen. Der Datensatz des DWD endet 1971, aber neuere Messungen an anderen Berliner Stationen (wie Tempelhof oder Dahlem) zeigen, dass die 124-Tage-Marke bis heute unerreicht ist.
Man kann sagen: Der Winter 1946/47 war ein Extremereignis, das in der Klimahistorie Berlins einen ganz besonderen Platz einnimmt.
Der Deutsche Wetterdienst wertet für jede Station die täglichen Niederschlagsdaten aus. Ein Tag gilt als „trocken", wenn die Niederschlagsmenge genau 0 mm beträgt oder wenn der Wert nicht erfasst wurde (also im Sinne der Messung ebenfalls kein Niederschlag). Mit einem speziellen Verfahren – Fachleute nennen es „Gaps-and-Islands" – werden alle aufeinanderfolgenden trockenen Tage zu einer Periode zusammengefasst. Die längste dieser Perioden ist dann der Rekord. So entsteht eine vollständige und lückenlose Rangliste aller Trockenphasen seit Beginn der Messungen. Die hier vorgestellten Ergebnisse basieren exakt auf dieser Methode für die Station Berlin-Treptow.
Wem die rekordverdächtigen 124 Tage nicht genug sind: Die zweitlängste Trockenperiode dauerte immerhin 31 Tage (19.09.1949 bis 19.10.1949), die drittlängste 25 Tage (25.09.1959 bis 19.10.1959). Wer also einen Herbsturlaub in Berlin plant, sollte wissen, dass der September und Oktober historisch gesehen die trockensten Monate sind – aber selbst diese „normalen" Trockenphasen sind mit der Spitzenperiode von 1946/47 nicht zu vergleichen.
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center (CDC). Ausgewertet wurden die täglichen Niederschlagsdaten der Station Berlin-Treptow (Kennung 00434) für den Zeitraum 1. Dezember 1946 bis 30. Juni 1971. Lizenz: GeoNutzV. Die Daten sind amtlich und entsprechen dem Stand der DWD-Archivierung.
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