Aktualisiert: 2026-08-14
In der Nacht zum 4. Juli 1946 sank das Thermometer in Leipzig auch auf seinem Tiefpunkt nicht unter 24,0 Grad » das ist die höchste jemals festgestellte Tiefsttemperatur an der Messstation.
Wer also wissen will, wie warm es in einer Leipziger Sommernacht überhaupt werden kann, findet hier die Antwort: Tropisch und kaum abkühlend, ein Wert, der seit nunmehr über acht Jahrzehnten unerreicht geblieben ist. Die offiziellen Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) reichen an dieser Station sogar bis ins Jahr 1759 zurück » und doch hat keine Nacht diesen Rekord je übertroffen.
Die Rede ist von der sogenannten Tiefsttemperatur, also der niedrigsten in einer Nacht gemessenen Temperatur. An einem durchschnittlichen Leipzig-Juli kühlt es nachts normalerweise auf 13,8 Grad ab. Dass es eine Nacht gab, in der die Temperatur selbst am tiefsten Punkt noch 24,0 Grad erreichte, ist eine meteorologische Besonderheit, die sich kaum jemand vorstellen kann: Es blieb praktisch die ganze Nacht über so warm wie an einem frühen Sommerabend.
Der Rekordtag liegt zwar weit zurück, ist aber kein Ausreißer einer wilden Statistik: Auch der Zweitplatzierte der Rangliste stammt aus dem 19. Jahrhundert. In der Nacht zum 20. Juli 1865 wurden 22,9 Grad als Tiefstwert registriert. Erst in jüngster Zeit kamen wieder Werte nahe an die Spitze heran, darunter eine Nacht im Juni 2026 mit 22,8 Grad und die berühmte Hitzenacht vom 13. August 2003 mit 22,7 Grad.
| Datum | Tiefsttemperatur (°C) |
|---|---|
| 04.07.1946 | 24,0 |
| 20.07.1865 | 22,9 |
| 28.06.2026 | 22,8 |
| 13.08.2003 | 22,7 |
| 17.08.1868 | 22,3 |
Bemerkenswert ist die Verteilung dieser extremen Nächte über die Jahrhunderte: Zwei der fünf Spitzenwerte wurden Mitte des 19. Jahrhunderts gemessen, einer im Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg, einer in der Hitzewelle 2003 und einer ausgesprochen aktuell im Sommer 2026. Die Serie zeigt, dass solche Nächte im Osten Deutschlands zwar selten sind, aber zu jeder Zeit der Messgeschichte auftreten können.
Nicht nur im Hochsommer kennen die Aufzeichnungen Extremwerte. Wenn man die Messreihe nach Monaten aufschlüsselt, ergibt sich ein klares Bild: Je näher am Jahreswechsel, desto niedriger die Rekordnächte. So wurde im Januar als höchste Tiefsttemperatur lediglich 13,2 Grad registriert, während die durchschnittliche Januarnacht bei minus 2,6 Grad liegt. Im Juli schlägt sich dagegen der Rekordwert von 24,0 Grad nieder, der zugleich die heißeste Nacht des gesamten Jahres markiert.
| Monat | Höchste Tiefsttemperatur (°C) | Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) |
|---|---|---|
| Januar | 13,2 | -2,6 |
| Februar | 11,7 | -1,8 |
| März | 11,8 | 0,7 |
| April | 15,3 | 4,2 |
| Mai | 20,4 | 8,5 |
| Juni | 22,8 | 12,1 |
| Juli | 24,0 | 13,8 |
| August | 22,7 | 13,3 |
| September | 19,2 | 10,0 |
| Oktober | 16,5 | 5,9 |
| November | 14,5 | 1,9 |
| Dezember | 12,5 | -1,0 |
Auffällig ist, wie hoch die Rekordwerte in den Übergangsmonaten bereits ausfallen: Schon im Mai wurde eine Nacht mit 20,4 Grad Tiefsttemperatur verzeichnet, und selbst im November blieb es in einer außergewöhnlichen Nacht mit 14,5 Grad auf dem Niveau einer warmen Frühlingsnacht. Die Spanne zwischen den Monaten beträgt also mehr als 12 Grad – vom Januar-Rekord mit 13,2 Grad bis zum Juli-Rekord mit 24,0 Grad.
Blickt man auf die Jahresmaxima der Tiefsttemperatur, erkennt man, dass extreme Nächte keineswegs eine Erfindung der letzten Dekaden sind. Bereits 1865 wurde mit 22,9 Grad ein Wert erreicht, der bis heute nur von einer einzigen Nacht übertroffen wurde. Auch 1868 brachte mit 22,3 Grad einen Extremwert, der in der gesamten Messgeschichte nur viermal übertroffen wurde.
Die 1940er Jahre zeigen ebenfalls ihre Spuren: Neben dem Allzeitrekord von 24,0 Grad im Jahr 1946 wurden 1944 und 1945 Tiefstwerte von 21,6 Grad beziehungsweise 7,8 Grad registriert – wobei 1945 mit nur 7,8 Grad auffällig niedrig ausfällt, was auf die dürftige Datenlage in den Wirren des Kriegsendes hindeuten könnte, da auch umliegende Jahre durchaus hohe Werte aufweisen. In der jüngeren Vergangenheit sticht das Jahr 2003 mit 22,7 Grad hervor, ebenso wie das aktuelle Jahr 2026, das mit 22,8 Grad den dritthöchsten Wert der gesamten Serie erreicht hat.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die höchste Tiefsttemperatur für jedes Jahr der Messreihe. Deutlich ist zu erkennen, dass die Werte bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen – die Messstation in Leipzig blickt auf eine der längsten kontinuierlichen Wetteraufzeichnungen Deutschlands zurück, die bis zum 1. November 1759 dokumentiert ist. Für einige Jahre, etwa zwischen 1776 und 1808 sowie zwischen 1916 und 1930, liegen keine Werte vor; diese Lücken sind in der Tabelle mit „–" markiert.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | Höchste Tiefsttemperatur (°C) |
|---|---|
| 1945 | 7,8 |
| 1946 | 24,0 |
| 1998 | 21,9 |
| 2001 | 22,0 |
| 2003 | 22,7 |
| 2018 | 21,9 |
| 2026 | 22,8 |
Betrachtet man die jüngeren Jahrgänge, fällt auf, dass Werte über 20 Grad in den letzten Jahrzehnten keineswegs selten sind: Allein zwischen 2018 und 2022 wurde die 21-Grad-Marke viermal erreicht oder überschritten. Dennoch zeigt der Blick auf die gesamte Messreihe, dass der Spitzenwert von 1946 bis heute unangefochten thront – die Nacht vom 4. Juli 1946 bleibt Leipzigs wärmste Nacht der Wettergeschichte.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Station Leipzig-Holzhausen, Messzeitraum 1759 bis 2026.
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