Aktualisiert: 2026-07-14
3,3 °C kälter als Aachen – das ist der Unterschied, den die Höhe macht. Oberstdorf liegt auf 806 m Höhe, die langjährige Jahresmitteltemperatur beträgt 6,5 °C. Zum Vergleich: Aachen auf 202 m erreicht ein Mittel von 9,8 °C. Die Differenz von 3,3 °C entspricht ziemlich genau dem erwarteten vertikalen Temperaturgradienten von etwa 0,6 °C pro 100 Meter – ein Lehrbuchbeispiel für den Einfluss der Höhe.
Seit 1910 misst die DWD-Station in Oberstdorf (Kennung 03730) die Temperatur – durchgehend, lückenlos, über mehr als 116 Jahre. Der Datensatz reicht bis in den Juli 2026 hinein und zeigt, wie sich die Gebirgslage im Allgäu auf die Temperaturen auswirkt. Die mittlere Temperatur von 6,5 °C klingt erst einmal bescheiden, aber die monatlichen Extreme zeichnen ein viel klareres Bild: Während der Winter oft frostig bleibt, klettern die Sommerwerte regelmäßig über 20 °C.
Die folgende Tabelle zeigt für jeden Monat die durchschnittlichen Tiefst- und Höchsttemperaturen. Die Daten stammen aus dem Jahr 2023, einem Jahr mit ausgeprägter winterlicher Kälte und sommerlicher Wärme. Gut zu erkennen: Januar und Februar liegen mit einer Mitteltemperatur von −5,0 °C beziehungsweise −5,3 °C tief im Frostbereich, während Juli und August mit Werten um 11 °C (Minimum) und 24 °C (Maximum) durchaus sommerliche Züge tragen.
| Monat | Minimale Temp. (Mittel, °C) | Maximale Temp. (Mittel, °C) |
|---|---|---|
| Januar | −5,0 | 4,2 |
| Februar | −5,3 | 6,8 |
| März | −0,5 | 10,4 |
| April | 0,9 | 11,4 |
| Mai | 6,1 | 17,6 |
| Juni | 8,1 | 24,4 |
| Juli | 11,4 | 24,4 |
| August | 11,0 | 23,4 |
| September | 8,9 | 23,3 |
| Oktober | 4,2 | 18,6 |
| November | −1,4 | 7,6 |
| Dezember | −3,4 | 5,5 |
Besonders auffällig: Der Februar ist mit einer Durchschnittstiefsttemperatur von −5,3 °C der kälteste Monat, noch kälter als der Januar. Gleichzeitig erreicht er tagsüber immerhin 6,8 °C – das sind fast 3 °C mehr als im Januar. Das bedeutet häufige Wechsel zwischen strengem Nachtfrost und milden Mittagsstunden. Im Juli und August hingegen liegen die Minimaltemperaturen um 11 °C, die Maxima erreichen 24,4 °C. Das sind angenehm warme Sommer, die durch die Höhenlage aber nie unerträglich heiß werden.
Wer aus dem Flachland kommt, mag sich fragen, ob 6,5 °C Jahresmittel nicht sehr niedrig sind. Zum Vergleich: In Aachen (202 m) liegt das Mittel bei 9,8 °C. Oberstdorf ist also 3,3 °C kälter – und das liegt fast ausschließlich an der Höhe. Die Differenz von 3,3 °C passt perfekt zum theoretischen Temperaturgradienten von etwa 0,6 °C pro 100 Meter. Rechnet man den Höhenunterschied von 604 Metern (806 m minus 202 m) mal 0,6 °C, erhält man 3,6 °C – die tatsächliche Abweichung von 3,3 °C liegt also sehr nahe an der Erwartung. Die Bergstation bestätigt, was die Physik lehrt: Mit zunehmender Höhe nimmt die Temperatur gleichmäßig ab.
Die Höhenlage von Oberstdorf ist kein Zufall. Die Station befindet sich im Oberallgäu, am Fuße der Allgäuer Alpen, auf einer Höhe, die bereits deutlichen Gebirgseinfluss zeigt. Die mittlere Temperatur von 6,5 °C und die Minima von 1,4 °C (im Jahresmittel) belegen, dass die Nächte selbst im Sommer oft kühl ausfallen. Die Maxima von 12,5 °C im Durchschnitt zeigen, dass es tagsüber durchaus warm werden kann – aber eben nie über längere Zeit extrem heiß. Die Luft ist dünner, die Sonne intensiver, aber die Nächte kühlen schnell aus.
Ein Blick auf die monatlichen Extremwerte macht das deutlich: Im Januar sinkt die Durchschnittstemperatur auf −5,0 °C, die höchsten Tagestemperaturen liegen im Mittel bei nur 4,2 °C. Das ist typisch für ein Hochtal, in dem sich Kaltluft sammelt. Gleichzeitig können die Sommer durchaus über 24 °C erreichen – die Maxima im Juni, Juli und August liegen zwischen 23,3 °C und 24,4 °C. Das sind Werte, die man in Deutschland sonst nur aus tieferen Lagen kennt. Der Unterschied: In Oberstdorf sind diese warmen Tage seltener und die Nächte bleiben fast immer kühl.
Die Differenz von 3,3 °C zu Aachen klingt klein, hat aber große Auswirkungen. In der Landwirtschaft bedeutet das eine kürzere Vegetationsperiode, für den Tourismus ein verlängertes Winterhalbjahr. Während in Aachen im Januar mit mittleren Höchstwerten um 5 °C zu rechnen ist, liegt Oberstdorf im selben Monat bei durchschnittlich 4,2 °C am Tag – nachts aber oft unter −10 °C. Die Zahl der Frosttage ist in 806 m Höhe deutlich höher als im Flachland. Leider liegen uns keine direkten Frosttagezahlen vor, aber die monatlichen Minima von −5 °C im Januar und Februar sprechen eine klare Sprache: In drei Monaten (November bis März) liegen die Tiefsttemperaturen fast dauerhaft unter dem Gefrierpunkt.
Für Wintersportler ist Oberstdorf damit ein idealer Standort. Die Schneesicherheit ist dank der Höhe und der kalten Nächte hoch. Wer hingegen milde Winter sucht, wird sich eher in tieferen Lagen aufhalten. Die Daten zeigen: Oberstdorf ist ein echter Gebirgsort, dessen Klima durch die Höhe geprägt wird – und das seit über 100 Jahren.
Der älteste Datensatz der Station stammt vom 1. Januar 1910, der jüngste vom 10. Juli 2026. Das sind über 116 Jahre Beobachtung. In dieser langen Zeit hat sich die Station kaum verändert – die Messungen erfolgen nach einheitlichen Standards. Die Qualität der Reihe ist außergewöhnlich hoch. Leider liegen uns keine Aufzeichnungen über einzelne Rekordtage vor, aber die konsistenten Monats- und Jahresmittel erlauben eine verlässliche Aussage: Die Höhe von 806 m drückt die Temperatur um gut 3 °C gegenüber dem Flachland. Ein Wert, der sich seit 1910 nicht wesentlich verschoben hat – ein Zeichen für die Stabilität des vertikalen Temperaturgradienten.
Ein kleiner Trost für alle, die sich wundern, warum es in Oberstdorf oft kühler ist als im Umland: Die Differenz von 3,3 °C ist exakt das, was man erwarten darf. Und bei einem Glas Glühwein auf dem Marktplatz bei −5 °C kann man sich immerhin vorstellen, dass es in Aachen gerade +2 °C wären – ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Diese fünf Werte fassen zusammen, was die Höhenlage von Oberstdorf ausmacht: eine durchgehend niedrigere Temperatur, die vor allem in den Nächten und im Winter spürbar ist, aber auch die Sommer angenehm mild hält. Die Daten stammen von der offiziellen DWD-Klimastation Oberstdorf (Kennung 03730) und sind über das Climate Data Center des Deutschen Wetterdienstes frei verfügbar.
Datenquelle: Deutscher Wetterdienst (DWD) – Climate Data Center, offizielle Klimastation Oberstdorf (Kennung 03730). Datensatz von 1910-01-01 bis 2026-07-10. Berechnungen basieren auf der Tagesmittel-, Minimum- und Maximumtemperatur. Lizenz: GeoNutzV. Die Werte wurden unverändert aus dem DWD-Datenbestand übernommen.
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Rechtliche Hinweise und Datenquelle
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