Aktualisiert: 2026-08-17
Ja, die Sommer in Berlin sind heute deutlich wärmer als in der Kindheit vieler Erwachsener. Die offiziellen Messdaten der Station Berlin-Tempelhof des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen für die Sommermonate Juni bis August einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur von 18,3°C in den 1970er Jahren auf 20,3°C in den Jahren ab 2020. Zwischen der Kindheit der heute 40- bis 60-Jährigen und der Gegenwart liegen also im Durchschnitt 2,0 Grad – ein Unterschied, der aus einem normalen Berliner Sommer einen spürbar heißen macht.
Wer als Kind in den 1970ern in Berlin aufgewachsen ist und heute im selben Stadtteil lebt, erlebt im Schnitt eine völlig andere sommerliche Wärme. In den 1970er Jahren lag die durchschnittliche Sommertemperatur an der Messstation Berlin-Tempelhof bei 18,3°C. Für die Zeit ab 2020 weist der DWD einen Mittelwert von 20,3°C für dieselben Monate aus. Das ist nicht nur ein statistischer Effekt: Es bedeutet mehr heiße Tage, mehr Tropennächte und eine spürbar längere Phase im Jahr, in der man ohne Jacke draußen sitzen kann.
Die wärmsten Sommer der 1970er und 1980er Jahre fanden übrigens nicht in Berlin statt. Im damaligen Ranking der Stationen mit den höchsten Sommertemperaturen führte Baruth/Mark-Petkus in Brandenburg die Liste an – mit einer mittleren Temperatur von 19,6°C und einer mittleren Höchsttemperatur von 24,1°C in den Monaten Juni bis August.
Wärmste Sommer 1970–1989 in Deutschland (DWD-Messnetz)Wer seine Kindheit in den 1970er oder 1980er Jahren in Berlin verbracht hat, erinnert sich vielleicht an Sommer, die „irgendwie anders“ waren. Die Daten des DWD bestätigen diesen Eindruck: In den 1970ern maß die Station Berlin-Tempelhof über die Sommermonate Juni, Juli und August im Durchschnitt 18,3°C. In den 1980ern waren es mit 18,1°C sogar noch einen Hauch kühler. Seit 2020 liegt der Mittelwert derselben Station bei 20,3°C.
Das klingt nach wenig, ist aber in der Klimatologie ein großer Sprung. Ein Beispiel: Eine mittlere Sommertemperatur von 20,3°C bedeutet, dass auch die kühleren Junitage und die ersten Septembertage in diesen Mittelwert einfließen. Bei 18,3°C in den 1970ern waren deutlich mehr Tage dabei, an denen man abends eine Jacke brauchte. Heute fallen diese Tage seltener aus – auch wenn sie natürlich noch vorkommen.
Interessant ist auch die regionale Einordnung: Berlin war in den 1970er und 1980er Jahren nicht der Ort mit den wärmsten Sommern in Deutschland. Der DWD hat aus seinem Messnetz ein Ranking der zehn Stationen erstellt, die in diesem Zeitraum die höchsten Sommertemperaturen aufwiesen. Die Spitzenplätze belegen:
| Station | Ø Temperatur (Juni–August) | Ø Höchsttemperatur |
|---|---|---|
| Baruth/Mark-Petkus (Brandenburg) | 19,6°C | 24,1°C |
| Berlin-Alexanderplatz (Berlin) | 19,4°C | 23,6°C |
| Heidelberg (Baden-Württemberg) | 19,1°C | 23,8°C |
| Freiburg (Baden-Württemberg) | 19,0°C | 23,9°C |
| Kehl-Odelshofen (Baden-Württemberg) | 19,0°C | 24,7°C |
Auffällig ist, dass die wärmsten Orte in den 1970er und 1980er Jahren der Südwesten und einige östliche Regionen waren – Orte wie Philippsburg (19,0°C Mittel, 24,1°C Höchsttemperatur), Offenbach/Main (18,9°C Mittel, 23,8°C Höchsttemperatur), Gernsheim (18,8°C Mittel, 24,3°C Höchsttemperatur), Karlsruhe (18,7°C Mittel, 24,4°C Höchsttemperatur) und Frankfurt/Main-Westend (18,7°C Mittel, 23,4°C Höchsttemperatur). Berlin-Mitte mit dem Alexanderplatz lag damals mit 19,4°C im Mittel immerhin auf Platz zwei – auch wenn Berlin-Tempelhof selbst nicht im Ranking auftaucht, da dieses die zehn Stationen mit den höchsten Werten deutschlandweit auflistet.
Ein Unterschied von 2,0 Grad in der Durchschnittstemperatur der Sommermonate ist im städtischen Alltag deutlich spürbar. Mehr heiße Tage bedeuten mehr Abende, an denen die Wohnung nicht abkühlt, mehr Nächte, in denen Schlafen ohne Klimaanlage oder Ventilator schwerfällt, und eine längere Periode, in der man morgens schon in kurzer Kleidung vor die Tür geht. Wer in den 1970ern in Berlin aufgewachsen ist, hat einen anderen Sommer erlebt als die Kinder, die heute hier aufwachsen.
Die Datenreihe der Station Berlin-Tempelhof erstreckt sich über einen langen Zeitraum: Die ältesten verfügbaren Messwerte stammen vom 01.01.1948, die jüngsten vom 15.08.2026. Das sind fast acht Jahrzehnte Wettergeschichte an einem Ort – genug, um Trends zu erkennen, die über einzelne Hitzesommer hinausgehen.
Alle hier genannten Werte stammen vom Deutschen Wetterdienst (DWD), dem offiziellen meteorologischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Die Station Berlin-Tempelhof betreibt eine langjährige, kontinuierliche Messreihe. Die Daten sind als Klimareferenz frei verfügbar und werden von der Forschung ebenso genutzt wie von Planungsbehörden. Die Vergleichswerte für die 1970er, 1980er und für die Zeit ab 2020 beziehen sich jeweils auf die Monate Juni, Juli und August – die meteorologischen Sommermonate – und sind als Mittelwerte über den jeweiligen Zeitraum zu verstehen.
Wer sich die Mühe macht, alte Tagebücher oder Familienfotos aus den Sommern der 1970er anzuschauen, wird verblüfft oft dieselbe Beobachtung machen: Die heute als „normal“ empfundene Sommerwärme war früher die Ausnahme. Die Daten des DWD haben aus dieser gefühlten Wahrheit eine messbare gemacht.
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