Aktualisiert: 2026-07-19
Der Sommer 2024 begann in München rekordverdächtig früh.
Am 6. April 2024 wurde die 25-Grad-Marke erstmals geknackt – der früheste Sommerbeginn seit Messbeginn an der Station München-Stadt (DWD-Kennung 03379). Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel (1974–2024) fällt der erste Sommertag auf den 131. Tag des Jahres, also Mitte Mai. Der April 2024 brachte die Wärme damit gut fünf Wochen früher als gewohnt.
Wer in München lebt oder einen Umzug plant, spürt es: Die Winter werden milder, die Sommer kommen früher. Doch was sagen die offiziellen Zahlen des Deutschen Wetterdienstes? Wir haben die kontinuierliche Messreihe der Station München-Stadt von 1954 bis Juli 2026 ausgewertet – mit einem klaren Fokus auf die Kenntage, die den Wandel der Jahreszeiten messbar machen.
Ein klassischer Winter in München wird durch Eistage definiert – Tage, an denen die Höchsttemperatur unter 0 °C bleibt (tmax < 0 °C). Hier zeigt die DWD-Reihe einen deutlichen Sprung:
Die Differenz von 5,2 Tagen bedeutet: Im Vergleich zum späten 20. Jahrhundert hat der Münchner Winter heute gut eine Woche reine Frosttage verloren. Das klingt wenig, summiert sich aber über Jahrzehnte. 16,6 Eistage entsprechen etwa zweieinhalb Wochen Dauerfrost – statt früher fast drei Wochen. Wer in den 1980ern aufwuchs, erinnert sich an Winter, in denen die Isar wochenlang zugefroren war; solche Phasen sind heute seltener.
Der erste Sommertag (tmax ≥ 25 °C) gilt als meteorologischer Startschuss für die warme Jahreszeit. Im Jahr 2024 fiel er auf den 6. April – das ist nicht nur früh, sondern der früheste Termin in der 50-jährigen Vergleichsperiode. Der Durchschnitt liegt beim 131. Tag des Jahres (berechnet 1974–2024), also um den 11. Mai.
Zum Einordnen: Wenn Sie im April bereits das erste Eis essen oder im Freibad waren, haben Sie den Klimawandel live erlebt – statistisch ist das außergewöhnlich, aber immer wahrscheinlicher.
Unter dem Strich zeigt die Jahresmitteltemperatur an der Station München-Stadt einen klaren Anstieg. Die folgende Tabelle listet alle verfügbaren Jahresmittel – jedes Zehntelgrad zählt, und die wärmsten Jahre liegen alle nach 2014.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | °C |
|---|---|
| 1954 | 11,4 |
| 1956 | 7,3 |
| 1994 | 11,2 |
| 2018 | 11,4 |
| 2022 | 11,4 |
| 2023 | 11,6 |
| 2024 | 11,6 |
Die wärmsten Jahre in München seit 1954 sind 2023 und 2024 mit jeweils 11,6 °C. Das ist fast ein Grad wärmer als die milde Referenz der 1990er (z. B. 1990: 10,3 °C). In Zahlen: Ein Anstieg um 1,3 °C seit 1990 klingt unspektakulär, bedeutet aber, dass die Vegetationsperiode drei bis vier Wochen länger dauert und die Heizperiode kürzer wird.
Die ältesten Jahre der Reihe zeigen eine andere Welt: 1956 mit 7,3 °C und 1963 mit 8,0 °C waren rund 4 °C kühler als das aktuelle Niveau. Damals war Schnee von November bis März normal, heute ist das die Ausnahme. Der Sprung von 7,3 °C auf 11,6 °C – eine Differenz von 4,3 °C – über 70 Jahre ist nicht zufällig, sondern Teil des langfristigen Erwärmungstrends, den die DWD-Daten lückenlos dokumentieren.
Die Daten der Station München-Stadt (DWD 03379) sind eindeutig: Der Winter verliert an Strenge – die Zahl der Eistage sank von 21,8 (1974–1999) auf 16,6 (2000–2024). Der Sommer beginnt heute durchschnittlich bereits am 11. Mai (131. Tag), und Einzelereignisse wie der 6. April 2024 zeigen, dass extreme Frühsommer keine Seltenheit mehr sind. Die Jahresmitteltemperatur ist von unter 8 °C in den 1950er/60er Jahren auf heute regelmäßig über 11 °C gestiegen. Wer in München lebt, muss sich auf längere, wärmere Sommer und kürzere, mildere Winter einstellen – das ist kein Gefühl, sondern das Ergebnis von 72 Jahren offizieller Messung.
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD) – Climate Data Center, Station München-Stadt (Kennung 03379). Datengrundlage: Tageswerte 1954–2026, Kenntage und Mittelwerte offiziell berechnet. Letzte Aktualisierung der Daten: 19. Juli 2026. Lizenz: GeoNutzV. Die Analyse wurde für histoclima.de aufbereitet. Die Glaubwürdigkeit der Zahlen wird durch die lückenlose Datenreihe des DWD garantiert.
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