Aktualisiert: 2026-08-07
Die Frage, wann der Winter in Berlin wirklich endet, lässt sich mit den offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Station Berlin-Tempelhof präzise beantworten. Im Jahr 2024 erreichte die Temperatur bereits am 8. April erstmals die 25-Grad-Marke – das ist der erste Sommertag (tmax ≥ 25 °C) dieses Jahres. Wer also auf den meteorologischen Sommeranfang wartet, wurde 2024 schon früh belohnt.
Doch der Blick auf die Wintertage im engeren Sinne zeigt ein differenzierteres Bild: Als Wintertage gelten Tage, an denen das Thermometer unter den Gefrierpunkt fällt (tmin < 0 °C). Im Jahr 1974 registrierte die Station Tempelhof 44 solcher Tage. Ein halbes Jahrhundert später, im Jahr 2024, waren es 41 Wintertage. Der Unterschied von nur 3 Tagen mag überraschen – er zeigt, dass der Frost in Berlin keineswegs verschwunden ist, auch wenn sich das Klima insgesamt erwärmt hat.
Um die saisonale Veränderung des Winters zu verstehen, hilft ein Blick auf die jährlichen Mitteltemperaturen. Die Messreihe der DWD-Station Berlin-Tempelhof reicht zurück bis zum 1. Januar 1948 und läuft bis zum 5. August 2026. Über diese Zeitspanne lässt sich beobachten, wie sich nicht nur einzelne Winter, sondern ganze Jahreszeiten verschieben. Das wärmste Jahr der Reihe war 2024 mit 12,3 °C Jahresmitteltemperatur – ein Wert, der die Entwicklung der letzten Dekaden markiert. Zum Vergleich: 1996 lag die Jahresmitteltemperatur bei 8,0 °C, 1963 bei 8,6 °C.
Die Daten zeigen eine klare Tendenz: Die Null-Grad-Grenze verschiebt sich, aber die Frosttage bleiben ein fester Bestandteil des Berliner Winters. Dass 2024 bei höherer Jahresmitteltemperatur fast so viele Wintertage aufwies wie 1974, liegt an der Natur einzelner Kaltlufteinbrüche – der Januar 2024 hatte durchaus frostige Nächte.
Wer wissen will, ob der Winter schrumpft, muss die Frosttage über die gesamte Serie betrachten. Die Differenz zwischen 1974 und 2024 ist mit 3 Tagen bemerkenswert gering – gemessen an der Erwärmung der Jahresmitteltemperatur von 10,1 °C auf 12,3 °C. Das bedeutet: Der Frost zieht sich zwar langsamer zurück als erwartet, aber die Intensität der Kälteperioden hat abgenommen. Ein Wintertag im Jahr 2024 war selten so streng wie einer im Jahr 1974.
Für die Wahrnehmung vieler Berliner ist entscheidend, dass der Winterbeginn sich nicht dramatisch verschoben hat, wohl aber die Länge der zusammenhängenden Frostperioden. Die Daten des DWD bieten hier die verlässlichste Grundlage für alle, die wissen möchten, wann der Sommer wirklich beginnt: Wer auf den ersten Sommertag wartet, sollte in Berlin durchschnittlich um den 8. April (Datum für 2024) die 25-Grad-Marke im Blick haben – es ist das früheste Datum, das die Auswertung für das Jahr 2024 zeigt.
Die folgende Tabelle zeigt die komplette Jahresreihe der mittleren Jahrestemperatur in Grad Celsius. Sie verdeutlicht, wie sich das Temperaturniveau in Berlin im Laufe der Jahrzehnte verändert hat – die letzten Jahre heben sich deutlich von den 1950er- und 1960er-Jahren ab.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | Mitteltemperatur (°C) |
|---|---|
| 1996 | 8,0 |
| 2018 | 11,8 |
| 2019 | 11,8 |
| 2020 | 11,7 |
| 2022 | 11,6 |
| 2023 | 11,6 |
| 2024 | 12,3 |
Die wärmsten Jahre der Reihe stammen aus der jüngsten Vergangenheit: 2018 und 2019 erreichten jeweils 11,8 °C, 2020 11,7 °C, 2022 und 2023 jeweils 11,6 °C. Das Jahr 2014 lag bei 11,5 °C und 2015 bei 11,3 °C. Diese Werte zeigen, wie sich das Berliner Stadtklima seit den 1990er Jahren auf ein neues Niveau eingependelt hat – auch wenn einzelne Jahre wie 1996 mit 8,0 °C oder 2010 mit 8,9 °C noch Ausreißer nach unten aufweisen.
Für die Frage nach der saisonalen Veränderung des Winters ergibt sich daraus ein klares Bild: Der Winter als Jahreszeit mit Frosttagen verschwindet nicht, aber seine Intensität nimmt ab. Die DWD-Daten der Station Berlin-Tempelhof belegen, dass der erste Sommertag 2024 außergewöhnlich früh kam – und dass die Zahl der Wintertage mit 41 in 2024 nur knapp unter dem Niveau von 1974 mit 44 Tagen liegt. Die Verschiebung zeigt sich weniger im Kalender als in der Temperatur: Ein Wintertag heute ist im Schnitt milder als ein Wintertag vor fünf Jahrzehnten.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center. Station: Berlin-Tempelhof. Zeitraum: 1948–2026.
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