Aktualisiert: 2026-08-09
848,8 mm – das ist die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Baden-Württemberg, dem regenreichsten Bundesland Deutschlands. Wer im Ländle wohnt oder dorthin zieht, bekommt im Jahresmittel fast 850 Millimeter Regen ab – mehr als in jedem anderen Bundesland. Der Wert ergibt sich aus den langjährigen Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) an zahlreichen Stationen im Land. Kein anderes Bundesland erreicht diese Summe, und der Abstand zu den nächsten Kandidaten ist deutlich spürbar.
Wer sich fragt, wo in Deutschland der meiste Regen fällt, blickt in den Südwesten. Baden-Württemberg liegt mit 848,8 mm Jahresniederschlag an der Spitze, dicht gefolgt vom Saarland mit 827,3 mm und Bayern mit 804,6 mm. Diese drei Länder bilden das Spitzentrio – alle liegen über der 800-mm-Marke. Der Schwarzwald, die Schwäbische Alb und die Alpenränder sorgen dafür, dass der Südwesten und Süden Deutschlands die meisten Niederschläge abbekommen.
Die Daten stammen vom Deutschen Wetterdienst (DWD), der an seinen Klimastationen in ganz Deutschland die Niederschläge erfasst. Der Beobachtungszeitraum reicht dabei weit zurück: Die ältesten Messwerte reichen bis zum 1. November 1759, die jüngsten bis zum 7. August 2026. Das bedeutet: Über mehr als zweieinhalb Jahrhunderte hinweg wurden diese Mittelwerte berechnet. Der DWD mittelt dabei zuerst die jährliche Niederschlagssumme jeder einzelnen Station innerhalb eines Bundeslandes und fasst diese dann zu einem Landeswert zusammen.
Die folgende Tabelle zeigt alle 15 Bundesländer (ohne Stadtstaaten-Detailbetrachtung) sortiert nach ihrer mittleren jährlichen Niederschlagsmenge. Sie basiert auf den offiziellen Klimadaten des DWD:
| Bundesland | Mittlerer Jahresniederschlag (mm) |
|---|---|
| Baden-Württemberg | 848,8 |
| Saarland | 827,3 |
| Bayern | 804,6 |
| Nordrhein-Westfalen | 788,0 |
| Hamburg | 735,1 |
| Bremen | 730,5 |
| Schleswig-Holstein | 713,3 |
| Niedersachsen | 696,4 |
| Rheinland-Pfalz | 683,3 |
| Sachsen | 681,5 |
| Hessen | 678,3 |
| Thüringen | 656,1 |
| Sachsen-Anhalt | 544,5 |
| Berlin | 531,1 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 511,7 |
Zwischen dem Spitzenreiter Baden-Württemberg und dem Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern liegt eine Spanne von über 300 Millimetern. Während im Südwesten die Mittelgebirge und Alpenausläufer feuchte Luftmassen zum Abregnen zwingen, bleibt der Nordosten deutlich trockener. Mecklenburg-Vorpommern kommt mit 511,7 mm auf weniger als zwei Drittel der baden-württembergischen Menge – ein Unterschied, den man in der Landschaft deutlich spürt.
Die geografischen Gegebenheiten erklären die Verteilung auf den ersten Blick. Der Schwarzwald in Baden-Württemberg ist eines der niederschlagreichsten Gebiete Deutschlands. Feuchte Luftmassen von Westen treffen auf die Bergkämme und müssen aufsteigen – dabei kühlen sie ab, der Wasserdampf kondensiert und es regnet. Ähnlich wirken die Alpen in Bayern, die ebenfalls zu den niederschlagreichsten Regionen zählen. Dazu kommt, dass der Südwesten näher am Mittelmeerraum liegt, von wo feuchte Luft oft weit nach Norden transportiert wird.
Im Kontrast dazu stehen die östlichen und nordöstlichen Länder wie Sachsen-Anhalt mit 544,5 mm, Berlin mit 531,1 mm und Mecklenburg-Vorpommern mit 511,7 mm. Sie liegen im Regenschatten der Mittelgebirge. Die Luft hat bereits einen Großteil ihrer Feuchtigkeit über den westlichen Ländern abgegeben, bevor sie den Osten erreicht. Das macht den Osten Deutschlands zur trockensten Region des Landes.
Interessant ist der Blick auf die Stadtstaaten. Hamburg liegt mit 735,1 mm überraschend weit oben – noch vor Bremen mit 730,5 mm und deutlich vor dem Binnenland-Bundesland Berlin mit 531,1 mm. Hamburgs Lage an Elbe und Nordseeküste bringt häufige Niederschläge vom Atlantik mit sich. Berlin dagegen profitiert von seiner kontinentaleren Lage im Osten: weniger Wolken, weniger Regen, mehr Sonnenschein im Sommer.
Wer also seinen Wohnort nach Niederschlag wählt oder eine Reise plant, findet hier die verlässlichste Orientierung. Doch Vorsicht: Diese Werte sind langjährige Mittel. Einzelne Jahre können stark davon abweichen – mal deutlich feuchter, mal trockener. Die klimatische Einordnung hilft, aber der konkrete Regen eines Jahres folgt seinen eigenen Regeln.
Die Datenbasis mit Messungen seit 1759 gehört zu den ältesten systematischen Klimaaufzeichnungen in Europa. Der DWD betreibt ein dichtes Netz von Wetterstationen, deren Daten seit Jahrzehnten digitalisiert und harmonisiert werden. Das ermöglicht solche Vergleiche über Bundesländergrenzen hinweg – und zwar mit einer Konsistenz, die für frühere Generationen undenkbar war.
Für alle, die konkrete Planungen vornehmen wollen – ob Hausbau, Gartengestaltung oder Urlaubsreise – sind diese Zahlen die offizielle Grundlage. Sie basieren auf der langen Messreihe, die der DWD kontinuierlich fortschreibt. Einzelne Extremjahre mit besonders viel Regen oder langen Trockenperioden stecken in diesen Mittelwerten drin und prägen den Gesamteindruck.
Die historische Tiefe dieser Reihe macht deutlich, dass kurzfristige Schwankungen kein Maßstab für den Klimawandel sind. Erst wer Jahrzehnte überblickt, erkennt die langfristigen Verschiebungen. In den letzten Jahrzehnten zeigen die DWD-Daten eine Tendenz zu feuchteren Wintern und trockeneren Sommern – ein Muster, das sich in den Mittelwerten der einzelnen Bundesländer abzeichnet. Diese statistische Perspektive ist unverzichtbar, wenn man über Wasserverfügbarkeit, Landwirtschaft oder Hochwasserschutz diskutiert.
Der Südwesten bleibt damit ein feuchtes Pendant zum trockenen Nordosten. Die 848,8 mm von Baden-Württemberg, gemittelt über alle Stationen des Landes, sind das Ergebnis einer außergewöhnlich langen Messkontinuität. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass bereits im 18. Jahrhundert im Schwarzwald ähnliche Niederschlagssummen notiert wurden, auch wenn die Instrumente damals weniger präzise waren. Die heutigen Zahlen sind also keine Momentaufnahme, sondern das Produkt einer kontinuierlichen wissenschaftlichen Tradition.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst (Climate Data Center). Mehrere DWD-Stationen, Zeitraum 1759–2026.
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