Wie lange blieb es in Marienberg durchgehend unter null Grad?

Aktualisiert: 2026-08-07

Der Winter 1962/63 hat in Marienberg eine Frostserie hervorgebracht, die bis heute unerreicht ist: Vom 13. Dezember 1962 bis zum 6. März 1963 blieb die Temperatur jeden einzelnen Tag und jede Nacht unter dem Gefrierpunkt. Das sind 84 Eistage in Folge.

Wer in Marienberg lebt, kennt die langen Winter im Erzgebirge. Doch selbst für diese Gegend war der Zeitraum zwischen Dezember 1962 und März 1963 außergewöhnlich. Die Messstation des Deutschen Wetterdienstes verzeichnete in dieser Zeit 84 aufeinanderfolgende Tage, an denen die Tageshöchsttemperatur die Null-Grad-Marke nicht überschritt. Es war eine geschlossene Eiskruste, die sich über drei Monate über die Stadt legte – von Mitte Dezember bis in den meteorologischen Frühling hinein.

Zum Vergleich: Die zweitlängste registrierte Frostserie in Marienberg fiel in den Winter 1969/70. Sie begann am 24. November 1969 und hielt bis zum 26. Januar 1970 an – das sind 64 Tage ununterbrochenen Frostes. Auch diese Serie ist bemerkenswert, bleibt aber deutlich hinter dem Rekord von 84 Tagen aus dem folgenden Jahrzehnt zurück.

Die Datenlage für diese Auswertung ist außergewöhnlich gut. Die Wetterstation in Marienberg liefert lückenlos Daten seit dem 1. August 1955. Damit sind mehr als 70 Winter in der Statistik erfasst. Gerade die 1960er und 1970er Jahre stechen in dieser Reihe immer wieder durch besonders lange Frostperioden hervor – eine Zeit, die in der Klimatologie Deutschlands als eine der kältesten Phasen des 20. Jahrhunderts gilt.

Die fünf längsten Frostperioden in Marienberg

Die Auswertung der täglichen Messdaten zeigt eine Häufung extrem langer Frostperioden in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Die folgende Tabelle listet die fünf längsten Serien mit mindestens 55 aufeinanderfolgenden Tagen unter null Grad:

Beginn Ende Tage
13. Dezember 1962 6. März 1963 84
24. November 1969 26. Januar 1970 64
1. Dezember 1963 31. Januar 1964 62
25. Dezember 1971 18. Februar 1972 56
19. Januar 1965 14. März 1965 55

Besonders bemerkenswert ist die Serie von 55 Tagen, die am 19. Januar 1965 begann und bis zum 14. März 1965 dauerte. Hier zeigt sich, dass der Frost in Marienberg nicht nur im tiefen Winter auftritt, sondern auch den März noch vollständig im Griff haben kann.

Ein Winter, der in Erinnerung blieb

Die 84 Frosttage in Folge im Winter 1962/63 sind nicht nur eine nackte Zahl. Sie bedeuten, dass von Mitte Dezember bis Anfang März kein einziges Mal die Temperatur in Marienberg über null Grad stieg. Selbst an den kürzesten und sonnigsten Tagen des Dezembers und Januars blieb es eisig. Die Serie endete ausgerechnet am 6. März 1963 – zu einem Zeitpunkt, an dem in tieferen Lagen Deutschlands vielerorts schon die ersten Frühlingsboten sprossen. In Marienberg dauerte der Winter dagegen noch fast eine weitere Woche.

Die Daten zeigen auch, wie sich die längsten Frostperioden auf die Wintermonate verteilen. Alle fünf Extremfälle begannen entweder im November (24. November 1969), im Dezember (drei Serien) oder im Januar (19. Januar 1965). Keine der längsten Serien startete vor November – und keine erstreckte sich über den 14. März hinaus. Das entspricht der klimatologischen Erwartung für die Lage der Stadt am Rand des Erzgebirges.

Seit der Serie von 1971/72 mit 56 Tagen hat es in Marienberg keine vergleichbar lange Frostperiode mehr gegeben. Die anderen beiden Top-5-Serien – 62 Tage im Winter 1963/64 und 64 Tage im Winter 1969/70 – stammen ebenfalls aus derselben kalten Episode. Die 84 Tage von 1962/63 bleiben damit die mit Abstand längste ununterbrochene Frostperiode, die seit Beginn der Messreihe im August 1955 an dieser Station registriert wurde.

Für alle, die einen Eindruck von der Härte dieser Winter bekommen möchten: Eine Serie von 84 Tagen bedeutet mehr als die komplette Zeitspanne von Mitte Dezember bis zum kalendarischen Frühlingsanfang. Wer damals in Marienberg lebte, erlebte einen Winter, der sich ohne jede Unterbrechung von der Adventszeit bis in den meteorologischen Frühling zog.

Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Station Marienberg (Sachsen), Zeitraum 1955–2026.

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