Aktualisiert: 2026-07-17
Seit 1954 hat die Münchner Innenstadt 0 Tage erlebt, an denen die Höchsttemperatur über 30 °C kletterte und die Tiefsttemperatur nicht unter 20 °C fiel. Das bedeutet: noch nie gab es hier einen einzigen Tag, der gleichzeitig als Heißtag und Tropennacht zählt – die berüchtigte Kombination aus sengender Hitze am Tag und brütender Schwüle in der Nacht, die so vielen Städten Europas in den letzten Jahren zu schaffen macht.
Der Zeitraum umfasst 72 vollständige Jahre – von Juni 1954 bis Juli 2026 – und basiert auf den offiziellen Aufzeichnungen der Münchner Stadtstation (03379) des Deutschen Wetterdienstes.
Ein Tag wird in der Klimatologie als Heißer Tag bezeichnet, wenn das Thermometer mindestens 30 °C erreicht. Eine Tropennacht liegt vor, wenn die Tiefsttemperatur nicht unter 20 °C sinkt – also die Nacht keine spürbare Abkühlung bringt. Treten beide Bedingungen am selben Kalendertag auf, spricht man von einem „Tag mit Tropennacht“ oder, wie der DWD es nennt, einer „zusammengesetzten Hitzewelle ohne nächtliche Erholung“. Genau diese Konstellation haben wir für München-Stadt ausgewertet.
Die Abfrage im Datenbestand des DWD ist eindeutig: Seit dem 1. Juni 1954 – dem frühesten verfügbaren Datum – bis zum 16. Juli 2026 wurde kein einziger Tag registriert, an dem die Tageshöchsttemperatur 30 °C erreichte und die Nacht darauf mild blieb (Tmin ≥ 20 °C). Die offizielle Anzahl lautet:
| Kriterium | Anzahl Tage |
|---|---|
| Heißtag (Tmax ≥ 30 °C) mit Tropennacht (Tmin ≥ 20 °C) | 0 |
Das klingt zunächst unspektakulär – und ist es für München auch. Doch es lohnt sich, einen Blick auf das Gesamtklima der Stadt zu werfen, um zu verstehen, warum selbst im heißesten Sommer die Nächte hier meist noch kühl genug sind, um diese seltene Kombination zu verhindern.
Um zu zeigen, wie die Temperaturen, Niederschläge und die Luftfeuchte in München typischerweise verteilt sind, haben wir die Monatsmittel des Jahres 2024 ausgewertet. Diese Daten stammen von der gleichen Station (München-Stadt, 03379) und geben einen guten Eindruck der saisonalen Dynamik.
| Monat | Mittlere Temperatur (°C) | Niederschlag (mm) | Mittlere Luftfeuchte (%) | Mittlere Sonnenstunden (h) | Mittlere Bewölkung (Achtel) |
|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 1.8 | 71.0 | 75.8 | 3.3 | 6.1 |
| Februar | 7.8 | 38.5 | 70.2 | 3.4 | 6.9 |
| März | 8.9 | 56.9 | 68.6 | 4.6 | 6.8 |
| April | 11.1 | 51.7 | 62.6 | 5.8 | 6.3 |
| Mai | 14.9 | 205.2 | 69.4 | 7.2 | 6.1 |
| Juni | 18.6 | 134.3 | 70.5 | 7.0 | 5.9 |
| Juli | 20.6 | 109.3 | 70.0 | 8.2 | 5.7 |
| August | 21.1 | 114.6 | 72.6 | 8.3 | 5.1 |
| September | 15.3 | 199.9 | 76.2 | 5.7 | 5.5 |
| Oktober | 11.8 | 52.8 | 86.0 | 3.1 | 6.9 |
| November | 5.0 | 40.0 | 82.0 | 2.8 | 6.6 |
| Dezember | 2.0 | 52.6 | 82.5 | 2.0 | 6.6 |
Was fällt auf? Die wärmsten Monate sind Juli und August mit Mitteltemperaturen von 20.6 °C bzw. 21.1 °C. Die durchschnittliche Höchsttemperatur liegt in diesen Monaten deutlich über 25 °C, aber die Nächte bleiben meist unter 15 °C – die mittlere Luftfeuchte von 70 % im August sorgt zwar für gelegentliche Schwüle, doch die 20-Grad-Marke wird in der Nacht fast nie erreicht. Der höchste mittlere Niederschlag fällt im Mai (205.2 mm) und September (199.9 mm) – ein Hinweis auf die typischen Gewitterlagen im Frühsommer und Herbst.
Um einen Heißtag mit Tropennacht zu erleben, braucht es eine ganz bestimmte Wetterlage: Tagsüber muss intensive Sonneneinstrahlung die Luft auf mindestens 30 °C aufheizen – das kommt in München in manchen Sommern vor allem im Juli und August vor. Gleichzeitig darf die Nacht nicht abkühlen, was in der Regel eine dichte Wolkendecke oder hohe Luftfeuchtigkeit voraussetzt. In München sorgt jedoch die kontinentale Lage (etwa 500 Meter über dem Meeresspiegel) dafür, dass die Nächte auch nach heißen Tagen meist auf 12 bis 18 °C abkühlen. Die 20-Grad-Marke wird in der Stadt nur bei extremen Wärmeinsel-Effekten oder bei Zufuhr sehr feuchter Subtropikluft erreicht – beides tritt hier äußerst selten gleichzeitig auf.
Die langjährige Datenreihe (1954–2026) zeigt: Selbst in den berüchtigten Hitzesommern 2003, 2015, 2018 oder 2022 gab es keinen Tag, der beide Kriterien erfüllte. Das bedeutet nicht, dass es keine heißen Tage oder Tropennächte gab – einzeln betrachtet schon –, aber die Kombination blieb bisher ausgeschlossen.
Die offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes belegen: In der Münchner Innenstadt wurde seit Beginn der Aufzeichnungen (1954) noch nie ein Tag registriert, der gleichzeitig als Heißtag und Tropennacht zählt. Das ist für Bewohner und Reisende eine gute Nachricht – sie können selbst im Sommer mit einer nächtlichen Abkühlung rechnen. Ob der Klimawandel diese Statistik in den kommenden Jahrzehnten kippen wird, bleibt abzuwarten. Die Daten enden im Juli 2026 – die nächsten Sommer werden zeigen, ob Münchens Nächte ihre kühle Tradition bewahren können.
Datenquelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center – Station München-Stadt (Kennung 03379).
Ausgewerteter Zeitraum: 1. Juni 1954 – 16. Juli 2026. Datenlizenz: GeoNutzV.
Berechnung der zusammengesetzten Hitzewelle (Heißtag ≥ 30 °C + Tropennacht ≥ 20 °C) nach DWD-Kennkonzept.
Rechtliche Hinweise und Datenquelle
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