Aktualisiert: 2026-08-06
Der tiefste Punkt der Frostsaison in Frankfurt wurde am 27. Januar 1942 erreicht: Da fiel das Thermometer auf -28,0 °CTiefsttemperatur seit 1935 – ein Wert, der bis heute unerreicht bleibt. Kein Winter seit dem Zweiten Weltkrieg brachte auch nur annähernd eine solche Kälte über die Mainstadt.
Für Landwirte und Gartenbesitzer in Frankfurt ist die Frage nicht akademisch: Ab wann müssen empfindliche Kulturen geschützt werden, und wann ist die letzte Nacht mit Bodenfrost endgültig vorbei? Die Antwort liefern die offiziellen Messreihen des Deutschen Wetterdienstes an der Station Frankfurt/Main, die seit dem 1. Juli 1935 kontinuierlich Temperaturdaten erfasst. Die aktuelle Datenreihe reicht bis zum 4. August 2026 – sie spannt damit rund neun Jahrzehnte mit all ihren Kältewellen und milden Wintern auf.
Schauen wir auf das durchschnittliche Muster: Die Frostperiode (Tage mit mindestens einer Stunde Minusgraden, also Tiefstwerten unter 0 °C) erstreckt sich in Frankfurt vom späten Herbst bis ins frühe Frühjahr. Im Dezember sind es im langjährigen Mittel 15,7 Tage mit Frost, im Januar steigt die Zahl auf 17,6 Frosttage – der frostreichste Monat des Jahres. Der Februar folgt mit 16,3 Tagen, der März mit 11,2. Erst im April klingt die Frostsaison merklich ab: Im Durchschnitt gibt es dann noch 3,8 Frosttage, im Mai praktisch keine nennenswerten mehr (0,5 Tage).
Doch auch der Herbst gehört zur Frostsaison: Bereits im September kann es in manchen Jahren zum ersten Mal kurz unter 0 °C gehen – im Schnitt 0,1 Tage. Der Oktober bringt durchschnittlich 2,2 Frosttage, der November mit 7,9 Tagen dann den eigentlichen Beginn der intensiven Frostphase. Der Winter ist also klar von Mitte Dezember bis Mitte Februar, mit dem Höhepunkt im Januar.
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich Frost und strenger Frost (Tiefstwerte unter -3 °C) – eine für Obstbau und frühe Aussaat entscheidende Größe – im Jahreslauf verteilen. Strenge Frosttage treten in Frankfurt besonders im Dezember (7,7) und Januar (10,2) auf, sind aber im Mai schon komplett verschwunden (0,0).
| Monat | Frosttage (Tmin < 0 °C), Mittel | Tage mit strengem Frost (Tmin < -3 °C), Mittel |
|---|---|---|
| Januar | 17,6 | 10,2 |
| Februar | 16,3 | 8,2 |
| März | 11,2 | 3,8 |
| April | 3,8 | 0,6 |
| Mai | 0,5 | 0,0 |
| September | 0,1 | 0,0 |
| Oktober | 2,2 | 0,2 |
| November | 7,9 | 2,2 |
| Dezember | 15,7 | 7,7 |
Mai bis August (keine Zeile in der Tabelle) weisen im Mittel 0,0 Frost- und 0,0 strenge Frosttage auf – die Frostsaison liegt also eindeutig zwischen September und Mai.
Wenn die Frostsaison ihre extreme Seite zeigt, dann in solchen Nächten – die fünf tiefsten jemals in Frankfurt gemessenen Temperaturen stammen alle aus den harten Wintern von 1939 bis 1942:
| Datum | Tiefsttemperatur (°C) |
|---|---|
| 27. Januar 1942 | -28,0 |
| 19. Januar 1940 | -27,1 |
| 30. Dezember 1939 | -25,2 |
| 23. Januar 1940 | -24,6 |
| 22. Januar 1940 | -24,4 |
Diese fünf Daten markieren die tiefsten gemessenen Temperaturen der gesamten Messreihe seit 1935.
Interessant ist der Kontrast zu den mildesten Wintern: Im Jahr 1974 fiel das Thermometer in der kältesten Nacht des Jahres nur auf -4,3 °C – die Station verzeichnete 42 Frosttage. Das Jahr 2015 brachte es auf -5,2 °C als Jahresminimum mit 53 Frosttagen, und 2020 auf -5,7 °C bei 46 Frosttagen. Die wärmsten Winter der Reihe fanden also in den letzten Jahrzehnten statt: 2023 (Jahresminimum -6,0 °C, 43 Frosttage) und 1951 (Jahresminimum -6,7 °C, 66 Frosttage) komplettieren die Liste der mildesten Jahre.
Wer nun glaubt, die Frostsaison sei in Frankfurt bloß eine statistische Fußnote, den belehren die Daten eines Besseren. Der Unterschied zwischen einem extremen und einem milden Winter ist enorm: Den 122 Frosttagen des Jahres 1942 (mit einem Jahresminimum von -28,0 °C) stehen 42 Frosttage im Jahr 1974 gegenüber. Die Liste der kältesten Jahre zeigt auch, dass strenge Winter nicht nur eine ferne Erinnerung sind – 1968 brachte es auf 100 Frosttage mit einem Minimum von -21,6 °C, und 1979 auf 83 Frosttage mit -20,2 °C. Erst danach nimmt die Intensität der Kältewellen merklich ab.
Im Schnitt bedeutet das für die landwirtschaftliche Praxis in Frankfurt: Die Frostsaison beginnt im Mittel mit den ersten Frostnächten im Oktober (2,2 Tage) und intensiviert sich im November deutlich (7,9 Tage). Das letzte Frostdatum liegt üblicherweise im April (3,8 Frosttage), während der Mai mit durchschnittlich 0,5 Frosttagen nur noch in Ausnahmefällen eine Kältenacht bereithält – für Spätfröste sind diese Nächte aber eben nicht ausgeschlossen. In der Summe warnt die DWD-Statistik vor zu frühem Auspflanzen: Wenn nach dem 1. Mai noch eine Nacht mit unter 0 °C auftritt, kann das für wärmeliebende Kulturen fatal enden.
Die Messdaten der Station Frankfurt/Main reichen vom 1. Juli 1935 bis zum 4. August 2026 – also eine der längsten städtischen Messreihen Deutschlands über das gesamte 20. und 21. Jahrhundert hinweg. Sie dokumentieren sowohl die extremen Kontinentalphasen der späten 1930er und 1940er Jahre als auch eine deutliche Erwärmung in den vergangenen drei Jahrzehnten, die sich vor allem in selteneren strengen Frosttagen zeigt. Für die Planung von Obstblüte, Aussaat und Frostschutzmaßnahmen gilt jedoch: Die Frostsaison in Frankfurt ist keine starre Größe, sondern ein Zeitfenster von etwa November bis April – mit dem Januar als statistisch kältestem Monat und den April-Nächten als letzter Hürde, bevor die Maiwärme endgültig Einzug hält.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Station Frankfurt/Main, Messperiode 1935–2026.
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