Aktualisiert: 2026-08-14
Am 27. Juni 2026 wurde an der DWD-Station Leipzig-Holzhausen mit 40,0 °Cdie bisher höchste jemals gemessene Temperatur der Messreihe erreicht
An diesem Tag fiel die Entscheidung: Es war der heißeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1759. Die Marke von 38 Grad wurde an diesem Tag ebenso überschritten wie am Folgetag, dem 28. Juni 2026, als das Thermometer 38,8 °C anzeigte. Erst zweimal in der gesamten Klimareihe seit 1759 wurde die 38-Grad-Schwelle überhaupt überschritten – beide Male im Jahr 2026.
Die Frage, die viele Leipzigerinnen und Leipziger in heißen Sommern umtreibt: Wie viele Tage im Jahr klettert das Thermometer tatsächlich auf 35 Grad oder mehr? Werfen wir einen Blick auf die offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Station Leipzig-Holzhausen. Die Messreihe beginnt am 1. November 1759 und reicht bis zum 12. August 2026 – ein außergewöhnlich langer Zeitraum, der selten so vollständig erhalten ist.
Das laufende Jahr 2026 sticht aus der langen Reihe deutlich hervor. Mit 2 Tagen über 38 Grad und 5 Tagen mit starker Hitze über 35 Grad hat allein dieses Jahr mehr Extremereignisse gesehen als jedes vorherige Einzeljahr der letzten 267 Jahre. Die Maximaltemperatur von 40,0 Grad am 27. Juni ist nicht nur ein neuer Höchstwert – sie liegt deutlich über allem, was in den Jahrhunderten zuvor gemessen wurde. Zum Vergleich: In den Jahren 2019 und 1943 wurden mit 38,4 Grad am 30. Juni 2019 und 38,0 Grad am 3. August 1943 die bisherigen Spitzenwerte erreicht.
Über den gesamten Zeitraum von 1759 bis 2026 bleibt die 35-Grad-Marke ein seltenes Ereignis. In den meisten Jahren liegt die höchste Jahrestemperatur deutlich darunter – oft sogar unter 30 Grad. So wurden in den Jahren 1863, 1963, 1964 und 1965 jeweils 0 Tage mit 35 Grad oder mehr registriert, und selbst die 30-Grad-Marke wurde dort nie erreicht. Der niedrigste dokumentierte Jahreshöchstwert liegt bei 10,3 Grad im Jahr 1863, allerdings ist die Datenlage in den frühen Jahren lückenhaft.
Einen bemerkenswerten Einschnitt gab es im Jahr 1945: Mit einem Jahreshöchstwert von 20,5 Grad blieb das Thermometer in diesem Jahr außergewöhnlich moderat – der kälteste Sommer, den die Station in der langen Reihe verzeichnet hat. Auch die 30-Grad-Tage fehlten 1945 vollständig, was angesichts der damaligen Umstände eine Randnotiz in der Klimageschichte bleibt. Betrachtet man die letzten Jahrzehnte, so zeigen die 2000er und 2010er Jahre eine Häufung von Jahren mit vielen Hitzetagen: 2018 erreichte die Station 36 Tage über 30 Grad, 1994 waren es 22, der Sommer 1983 brachte 15 heiße Tage.
Die fünf höchsten gemessenen Temperaturen der gesamten Messreihe verteilen sich auf die letzten Jahrzehnte sowie die Gegenwart:
| Datum | Temperatur (°C) |
|---|---|
| 27.06.2026 | 40,0 |
| 28.06.2026 | 38,8 |
| 30.06.2019 | 38,4 |
| 03.08.1943 | 38,0 |
| 30.07.2026 | 37,9 |
Drei der fünf heißesten Tage der Geschichte fallen also in das Jahr 2026 – ein deutliches Zeichen, dass sich die Extremwetterlagen in Mitteldeutschland wandeln.
Betrachtet man nur die Monate, die überhaupt Tage mit mehr als 38 Grad aufweisen, so zeigt sich: Der Juni ist der Monat der Extreme. Im Durchschnitt gibt es in einem solchen Jahr 1,5 % der Tage mit über 38 Grad im Juni – dies ist der einzige Monat überhaupt, der diese Schwelle erreicht hat. Die Julitage mit über 37 Grad, wie etwa am 30. Juli 2026, bleiben dagegen knapp unter der 38-Grad-Schwelle.
Die folgende Tabelle zeigt die jährliche Entwicklung der Hitzetage für die markanten Jahre der letzten Jahrzehnte – ein Überblick ohne künstliche Verdichtung, wie er die langfristige Zunahme sichtbar macht:
| Jahr | Tage über 38 °C | Tage über 30 °C | Tage über 35 °C | Jahreshöchstwert (°C) |
|---|---|---|---|---|
| 1863 | 0 | 0 | 0 | 10,3 |
| 1943 | 0 | 16 | 5 | 38,0 |
| 2018 | 0 | 36 | 4 | 37,3 |
| 2019 | 1 | 25 | 3 | 38,4 |
| 2022 | 0 | 19 | 5 | 37,8 |
| 2026 | 2 | 23 | 5 | 40,0 |
Weit häufiger als die extreme Hitze über 35 Grad sind die sogenannten heißen Tage mit mindestens 30 Grad. Im Durchschnitt der letzten Jahrzehnte kommen solche Tage regelmäßig vor: 1947 waren es 27, 2003 brachte 23, der Rekordsommer 2018 verzeichnete 36 Tage über 30 Grad. In den kühleren Jahren wie 1963, 1964 oder 1965 blieb das Thermometer dagegen an keinem einzigen Tag über der 30-Grad-Marke – ein klares Zeichen für die natürliche Schwankungsbreite des Klimas.
Die Messreihe der Station Leipzig-Holzhausen zeigt eine bemerkenswerte Stabilität über fast zwei Jahrhunderte hinweg – und eine deutliche Zunahme der Extremereignisse in den letzten zwei Jahrzehnten. Gab es zwischen 1759 und 1989 nur in Einzelfällen Jahre mit mehr als zehn heißen Tagen über 30 Grad, so gehören solche Werte seit den 1990er Jahren fast zur Regel. Die 35-Grad-Marke bleibt zwar weiterhin eine Seltenheit, aber das Jahr 2026 mit seinen 5 Tagen über 35 Grad markiert den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung.
Für all jene, die sich fragen, wie heiß es in Leipzig werden kann: Die Antwort der Klimaaufzeichnungen ist eindeutig. Die 40,0 Grad vom 27. Juni 2026 sind kein Zufall, sondern das vorläufige Ende einer kontinuierlichen Verschiebung nach oben.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Klimadaten für die Station Leipzig-Holzhausen, Messzeitraum November 1759 bis August 2026.
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