Aktualisiert: 2026-08-08
Der Frühling 1960 war in Hamburg außergewöhnlich trocken. Zwischen dem 4. März und dem 6. April 1960 fiel an der Messstation Hamburg-Fuhlsbüttel über 34 Tage hinweg kein einziger Niederschlag. Das ist die längste Trockenperiode in der Geschichte der Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1936 – und dieser Rekord ist bis heute ungebrochen.
34 aufeinanderfolgende Tage ohne messbaren Niederschlag – das bedeutet: mehr als ein ganzer Monat lang blieb die Niederschlagsmenge bei exakt 0,0 Millimetern.
Für eine Stadt wie Hamburg, die für ihr maritimes, oft regnerisches Klima bekannt ist, ist eine solche Trockenphase bemerkenswert. Wer die Hansestadt kennt, weiß: Graue Himmel und feuchte Luft sind hier eher die Regel als die Ausnahme. Umso überraschender ist es, dass ausgerechnet hier eine Dürreperiode von über einem Monat verzeichnet wurde – und das im Frühling, wenn die Natur eigentlich aufblüht und Wasser braucht.
Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) führen seit 1936 an der Station Hamburg-Fuhlsbüttel lückenlose Aufzeichnungen. Seitdem gab es viele trockene Jahre und manche Hitzesommer, aber keine einzige Trockenperiode, die die 34 Tage aus dem Jahr 1960 übertroffen hätte. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 1. Januar 1936 bis zum 6. August 2026 – insgesamt also mehr als 90 Jahre Klimageschichte einer der wichtigsten Wetterstationen Norddeutschlands.
Bei einer Dürre oder Trockenperiode zählt jeder Tag, an dem die Niederschlagssumme exakt 0,0 Millimeter beträgt. Das klingt banal, ist aber in der Klimatologie eine harte Definition. Schon ein einzelnes Tröpfchen Regen hätte die Serie unterbrochen – doch im März und April 1960 blieb der Himmel über Hamburg durchgehend trocken. Über die gesamten 34 Tage summierte sich der Niederschlag auf 0,0 Millimeter. Es fiel buchstäblich kein Tropfen.
Interessant ist auch der zeitliche Kontext: Der März ist in Hamburg statistisch gesehen ein Übergangsmonat, in dem sich der Winter langsam verabschiedet und der Frühling beginnt. Die Vegetation erwacht, die Böden sollten Feuchtigkeit aus den Wintermonaten gespeichert haben. Eine so lange Trockenheit ausgerechnet zu Beginn der Wachstumsperiode dürfte sich auf die Landwirtschaft und die städtischen Grünanlagen deutlich ausgewirkt haben.
Betrachtet man die Daten nach dem Monat, in dem eine Trockenperiode beginnt, zeigt sich ein klares Muster: Die längsten Dürrephasen in Hamburg beginnen typischerweise im späten Herbst und im Winter. Die folgende Tabelle zeigt die längste jemals in Hamburg verzeichnete Trockenserie, die in einem bestimmten Monat ihren Anfang genommen hat – also die längste ununterbrochene Reihe aufeinanderfolgender Tage ohne Niederschlag seit Messbeginn, die in diesem Monat startet. Der Rekord von 34 Tagen aus dem Jahr 1960, der im März begann und bis in den April hineinreichte, übertrifft jedoch alle diese monatlichen Serien bei weitem.
| Monat | Längste Trockenserie (Tage) |
|---|---|
| Januar | 14 |
| Februar | 21 |
| März | 21 |
| April | 26 |
| Mai | 23 |
| Juni | 22 |
| Juli | 21 |
| August | 23 |
| September | 23 |
| Oktober | 27 |
| November | 28 |
| Dezember | 20 |
Die längste Trockenperiode, die in einem bestimmten Monat begonnen hat, sind die 28 Tage ab November. Auch der Oktober erreicht mit einer Serie von 27 Tagen fast dieselbe Größenordnung. Im Vergleich dazu wirken die 34 Tage des Dürre-Rekords von 1960 – der im März begann und bis in den April reichte – umso bemerkenswerter. Denn während im November und Oktober lange Trockenphasen offenbar häufiger vorkommen, ist eine Rekordserie von über einem Monat im Frühling eine echte Ausnahmeerscheinung.
Ein Blick auf die übrigen Monate zeigt: Selbst der April, der mit einer Serie von 26 Tagen der drittstärkste Monat ist, erreicht nicht ganz die Länge der Dürre von 1960. Und in den Sommermonaten Juni und Juli liegt die längste jemals verzeichnete Trockenperiode bei 22 bzw. 21 Tagen – rund zwei Wochen kürzer als der Rekord aus dem Jahr 1960.
Das ist eine Frage, die Klimaforscher immer wieder beschäftigt. Grundsätzlich sind norddeutsche Winter durch Westwindlagen geprägt, die Feuchtigkeit vom Atlantik heranführen. Doch wenn sich über Skandinavien oder Osteuropa ein kräftiges Hochdruckgebiet festsetzt, kann die Zufuhr feuchter Luftmassen für längere Zeit unterbrochen werden. Im Herbst passiert das dann eher, wenn sich die Sonne bereits aus dem Tagesgeschehen zurückzieht und die Luftmassen über dem Festland abkühlen.
Dass ausgerechnet die Monate Oktober und November mit 27 und 28 Tagen die Spitzenreiter sind, zeigt: Die Natur in Hamburg darf sich im späten Jahr manchmal auf eine staubtrockene Phase einstellen – doch keine davon übertrifft die 34 Tage des Frühjahrs 1960.
Um eine Trockenperiode in der Klimastatistik zu verzeichnen, müssen alle Tage einer Serie exakt keine Niederschlagssumme aufweisen. Schon eine kleine Menge – egal ob 0,1 Millimeter oder 10 Millimeter – durchbricht die Kette. Dass über 34 Tage lang in Hamburg kein einziger Tropfen fiel, ist eine Seltenheit, die die DWD-Aufzeichnungen seit 1936 nicht wieder hervorgebracht haben. Der Rekord aus dem Jahr 1960 bleibt also unangefochten – sogar mehr als 90 Jahre nach Beginn der Messungen an dieser Station.
Wie lange es dauern wird, bis dieser Rekord fällt, ist ungewiss. Der Klimawandel bringt einerseits häufigere Hitzewellen und trockene Sommer mit sich, andererseits sorgen die globalen Wetterlagen nicht automatisch für längere Trockenperioden im einzelnen Monat. Fakt ist: Wer in Hamburg lebt, darf sich über die Beständigkeit dieses Rekords freuen – der April 1960 bleibt in den Klimabüchern der Stadt als der trockenste Monat seit Messbeginn verankert.
Die 34 Tage ohne Regen sind nicht nur eine nackte Zahl. Sie erzählen eine Geschichte über das Wettergeschehen in Norddeutschland, über die Geduld von Gärtnern und Landwirten und darüber, wie selbst eine Stadt am Wasser von einer ungewöhnlich stabilen Hochdrucklage überrascht werden kann.
Quelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Station Hamburg-Fuhlsbüttel (1936–2026).
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