Aktualisiert: 2026-08-14
Am 3. Januar 1976 wurde an der Station Leipzig/Halle der höchste jemals registrierte Dauerwind gemessen: Die mittlere Windgeschwindigkeit erreichte an diesem Tag 16,8 m/s – das entspricht einer stürmischen Windstärke, die über den gesamten Tag hinweg konstant anhielt. Die maximale Böe erreichte dabei 37,0 m/s, was einem Orkan entspricht. Dieser Rekordwert wurde bis heute nicht übertroffen.
Wenn wir über Wind in Leipzig sprechen, denken viele zuerst an die berüchtigten Herbst- und Winterstürme, die über Sachsen hinwegfegen. Doch was bedeutet „Dauerwind“ eigentlich genau? Anders als eine einzelne Windböe, die nur wenige Sekunden anhält, beschreibt die mittlere Windgeschwindigkeit die durchschnittliche Windstärke über einen ganzen Tag oder einen definierten Zeitraum. Sie zeigt, wie stürmisch ein Tag tatsächlich war – nicht nur in Momenten, sondern über Stunden hinweg. Die Messung an der offiziellen DWD-Station Leipzig/Halle dokumentiert diese Werte lückenlos seit dem 1. Januar 1934.
Der Rekordtag vom 3. Januar 1976 war kein Einzelfall im damaligen Winter. Die 1970er Jahre gelten insgesamt als eine windreiche Dekade in Mitteldeutschland. Doch kein anderer Tag in der gesamten Messreihe seit 1934 erreichte den Wert von 16,8 m/s als Tagesmittel. Der 24. Januar 1993 kam mit 16,5 m/s nahe heran, blieb aber knapp darunter. Selbst der berüchtigte Novembersturm 1991 erreichte am 8. November mit 15,1 m/s nur den dritten Platz in der Rangliste der windigsten Tage.
Wer in Leipzig lebt, kennt die typische Wetterlage: Ein Tiefdruckgebiet über der Nordsee schickt eine kräftige Westströmung nach Osten, die über das flache Land zwischen Harz und Erzgebirge kaum abgebremst wird. Genau diese Konstellation führte am 3. Januar 1976 zu dem bis heute gültigen Dauerwind-Rekord. Die Böen erreichten Orkanstärke, und selbst die mittlere Geschwindigkeit von 16,8 m/s lag weit über dem, was man in einem normalen Leipziger Winter erlebt – zum Vergleich: Der durchschnittliche Januar an der Station bringt es nur auf 5,2 m/s als Monatsmittel.
Die folgende Übersicht zeigt die fünf höchsten Tagesmittelwerte der mittleren Windgeschwindigkeit an der Station Leipzig/Halle seit Beginn der Aufzeichnungen. Die maximale Böe eines Tages ist um ein Vielfaches höher als der Dauerwind – die Differenz zwischen beiden Werten zeigt, wie böig der Wind war.
| Datum | Mittlere Windgeschwindigkeit (m/s) | Maximale Böe (m/s) |
|---|---|---|
| 03.01.1976 | 16,8 | 37,0 |
| 24.01.1993 | 16,5 | 34,0 |
| 08.11.1991 | 15,1 | 23,1 |
| 09.12.1993 | 15,0 | 29,0 |
| 17.01.1974 | 14,4 | 31,0 |
Interessant ist die Verteilung dieser Extremtage: Vier der fünf windigsten Tage ereigneten sich in den Monaten Januar und Dezember, einer im November. Das bestätigt die klimatologische Erwartung, dass die stärksten Dauerwinde in Leipzig in den Wintermonaten auftreten, wenn der Temperaturgegensatz zwischen Nordmeer und Kontinent am größten ist.
Der typische Jahresgang der Windgeschwindigkeit ist an der Station Leipzig/Halle deutlich ausgeprägt. Die höchsten mittleren Monatswerte werden im Januar erreicht, die niedrigsten im August und Juni. Die folgende Tabelle zeigt die mittlere monatliche Windgeschwindigkeit sowie den höchsten jemals in einem bestimmten Monat gemessenen Tagesmittelwert:
| Monat | Mittlere Windgeschwindigkeit (m/s) | Höchster Tageswert (m/s) |
|---|---|---|
| Januar | 5,2 | 16,8 |
| Februar | 4,8 | 13,4 |
| März | 4,7 | 12,5 |
| April | 4,1 | 13,6 |
| Mai | 3,7 | 10,1 |
| Juni | 3,6 | 9,7 |
| Juli | 3,7 | 9,1 |
| August | 3,5 | 11,6 |
| September | 3,8 | 11,5 |
| Oktober | 4,2 | 12,1 |
| November | 4,7 | 15,1 |
| Dezember | 5,1 | 15,0 |
Bemerkenswert ist der Sprung zwischen August (3,5 m/s im Monatsmittel) und Januar (5,2 m/s): Der Januar ist im Durchschnitt fast halb so windig wie der August. Wer eine Veranstaltung im Freien plant, sollte dies berücksichtigen – ein ruhiger Sommertag bringt es im Schnitt auf weniger als die Hälfte der Windgeschwindigkeit eines durchschnittlichen Januartages.
Der höchste Monatswert im April von 13,6 m/s ist ein Ausreißer: Der 3. April 1973 war ein Tag, an dem ein kräftiger Frühjahrssturm über Leipzig zog. Ähnlich ungewöhnlich ist der Dezemberwert von 15,0 m/s vom 9. Dezember 1993. Diese Daten zeigen, dass extreme Dauerwinde auch außerhalb der Hauptsturmsaison vorkommen können – wenn auch seltener.
Betrachtet man die mittlere jährliche Windgeschwindigkeit an der Station Leipzig/Halle, zeigt sich ein relativ stabiles Bild ohne klaren langfristigen Trend. Die Werte schwanken zwischen einem Minimum und einem Maximum im Bereich von etwa 3,5 bis 5,0 m/s. Einzelne Jahre heben sich jedoch durch besonders windige Einzeltage hervor: Das Jahr 1976 mit dem Rekordwert von 16,8 m/s ist ebenso herauszustellen wie 1993 mit seinem windigen Januar und Dezember. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung seit 1972 – sie visualisiert die jährlichen Mittelwerte sowie die höchste gemessene Windgeschwindigkeit eines Jahres.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | Mittlere Windgeschwindigkeit (m/s) | Höchster Tageswert (m/s) |
|---|---|---|
| 1972 | 4,0 | 14,3 |
| 1973 | 4,4 | 13,8 |
| 1974 | 4,4 | 14,4 |
| 1976 | 4,1 | 16,8 |
| 1987 | 3,7 | 9,9 |
| 1991 | 4,4 | 15,1 |
| 1993 | 4,7 | 16,5 |
Die Maximalwerte pro Jahr schwanken beträchtlich. Auffällig ist, dass die höchsten Jahresmittelwerte (5,0 m/s im Jahr 1990) nicht unbedingt mit den größten Einzelereignissen zusammenfallen – das Jahr 1976 brachte den absoluten Rekordtag, das Jahr 1990 war dagegen durch eine insgesamt windigere Witterung geprägt, ohne einzelne extreme Spitzen. Seit den 1990er Jahren ist die Zahl der Tage mit extremem Dauerwind eher rückläufig – die Jahreshöchstwerte erreichen seit 2015 nur noch selten die Marke von über 12 m/s.
Der Dauerwind-Rekord vom 3. Januar 1976 ist nicht nur eine meteorologische Fußnote, sondern erinnert daran, wie kräftig das Wetter in Mitteldeutschland werden kann. Für Stadtplanung, Windkraftnutzung und Bauvorschriften sind diese Daten von Bedeutung: Die Bausubstanz in Leipzig muss auch heute noch Windlasten standhalten, die deutlich über den Durchschnittswerten liegen. Wer auf dem Leipziger Marktstand oder bei einem Stadtfest im Januar ein Bühnenzelt aufbaut, sollte wissen, dass an einem Extremtag wie 1976 eine mittlere Windgeschwindigkeit von 16,8 m/s herrschen kann – das entspricht einer stürmischen Belastung, die Fahrräder umwirft und lose Gegenstände durch die Straßen treibt.
Die Daten zeigen aber auch: Solche extremen Dauerwinde sind Seltenheit. Seit dem Rekordjahr 1976 gab es nur zwei Tage, an denen die mittlere Windgeschwindigkeit über 15 m/s lag: den 24. Januar 1993 mit 16,5 m/s und den 8. November 1991 mit 15,1 m/s. Wer also typisches Leipziger Wetter erwartet, sollte mit 3,5 bis 5,2 m/s rechnen – je nach Jahreszeit – und sich über einen stürmischen Tag freuen, der die berüchtigten 10 m/s überschreitet.
Quelle: DWD (Deutscher Wetterdienst) – Station Leipzig/Halle, Messreihe 1934–2026.
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