Aktualisiert: 2026-07-17
Der Frühling kommt nicht mehr im März. In Hamburg beginnt die Pollensaison im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 bereits am 2. Januar – das ist kein Tippfehler. Die erste Allergie-Welle erreicht die Hansestadt mitten im Winter. Seit 2010 schwankt der Start zwischen dem 17. März (frühestes Datum) und dem 8. Januar (spätestes Datum). Die Spanne zeigt: Der Kalender ist unzuverlässig, aber der Trend ist klar – die Saison dehnt sich aus.
Meteorologen definieren den Start der Pollenflugzeit als den ersten Tag im Jahr, an dem die Tageshöchsttemperatur mindestens 10 °C erreicht. Ab dieser Schwelle setzen Hasel, Erle und später Birke ihre Pollen frei. Für Allergiker ist das der Moment, an dem die Nase läuft und die Augen jucken – und der immer häufiger im Januar oder sogar Dezember liegt.
| Ereignis | Datum |
|---|---|
| Mittlerer Saisonstart (1991–2020) | 1991-01-02 |
| Frühester Start seit 2010 | 2010-03-17 |
| Spätester Start seit 2010 | 2020-01-08 |
Der früheste Saisonstart nach 2010 war der 17. März 2010, fast drei Monate nach dem Mittelwert. Der späteste war der 8. Januar 2020 – mitten im Winter, aber immer noch vor dem zweiten Monat. Die Streuung ist enorm, aber beide Extremwerte liegen im Januar oder März, nie im April.
Die Temperaturreihe der Station Hamburg-Fuhlsbüttel zeigt einen klaren Anstieg über die Jahrzehnte. Seit 1936 wird hier gemessen, und die Jahresmitteltemperaturen sind gestiegen. Das Jahr 2024 erreichte mit 11,2 °C den höchsten Wert der gesamten 90-jährigen Serie. Zum Vergleich: 1940 lag die Jahresmitteltemperatur bei nur 6,8 °C – ein Unterschied von 4,4 Grad, der die Vegetationsperiode um Wochen verschiebt.
Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Jahresmitteltemperatur an der Station Hamburg-Fuhlsbüttel. Jede Zeile ist ein Jahr, jeder Wert ein Grad Celsius.
Die Grafik zeigt die vollständige Jahresreihe. Die Tabelle enthält die markantesten Jahre; die vollständige Reihe stammt vom DWD.
| Jahr | Jahresmitteltemperatur (°C) |
|---|---|
| 1940 | 6,8 |
| 2014 | 10,8 |
| 2018 | 10,7 |
| 2019 | 10,7 |
| 2020 | 10,8 |
| 2023 | 10,8 |
| 2024 | 11,2 |
Die fünf wärmsten Jahre der gesamten Messreihe sind 2024 (11,2 °C), 2014, 2020 und 2023 (je 10,8 °C) sowie 2018 und 2019 (je 10,7 °C). Die fünf kältesten: 1940 (6,8 °C), gefolgt von 1941, 1942, 1956, 1962 (alle 7,4 °C). Seit dem Jahr 2000 liegt die Jahresmitteltemperatur fast durchgängig über 9 °C.
Wer unter Heuschnupfen leidet, muss sich in Hamburg auf eine verlängerte Saison einstellen. Der Start am 2. Januar ist kein Ausreißer, sondern das Mittel von drei Jahrzehnten. In den Jahren 2010 bis 2026 gab es nur zwei Winter ohne frühzeitigen Pollenflug. Die Kombination aus milden Wintern und frühen Wärmeschüben sorgt dafür, dass Hasel und Erle bereits im Januar blühen. Für Betroffene heißt das: Die Medikation muss früher bereitliegen, oft schon zu Neujahr.
Datenquelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center. Station Hamburg-Fuhlsbüttel (Kennung 01975). Messreihe von 1936-01-01 bis 2026-07-15. Alle Angaben basieren auf den offiziellen Tageswerten der DWD-Klimastation. Lizenz: GeoNutzV. Die Berechnung des Saisonbeginns folgt dem Kenntag-Konzept: erster Tag mit Tageshöchsttemperatur ≥ 10 °C.
Rechtliche Hinweise und Datenquelle
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