Aktualisiert: 2026-07-10 · Datenbasis: 1954 bis 2026
249 Tage mit tmax ≥ 30 °C
Der Juli ist der Monat mit der drückendsten Hitzelast – allein 249 Mal kletterte die Temperatur in München-Stadt seit 1954 über die 30-Grad-Schwelle. Das entspricht fast sieben kompletten Julimonaten unter extremem thermischem Druck. Für Milchkühe beginnt bei Lufttemperaturen über 25 °C der Hitzestress; ab 30 °C sinkt die Fress- und Milchleistung rapide. Die 249 heißen Tage im Juli sind die höchste monatliche Zahl im gesamten Jahr und machen diesen Monat zur kritischsten Phase für die Viehhaltung im Großraum München.
Die Datenbank des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Station München-Stadt (03379) zählt jeden Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 °C als „Heißen Tag“. Von April bis September treten solche Tage auf, aber die Verteilung ist extrem ungleich. Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittliche Maximaltemperatur an diesen Hitzetagen und vor allem die absolute Zahl der Ereignisse pro Monat – ein direktes Maß für die Dauer des thermischen Stresses, dem Tiere ausgesetzt sind.
| Monat | Mittlere Tmax an Hitzetagen (°C) | Anzahl Hitzetage (1954–2026) |
|---|---|---|
| April | 32,2 | 1 |
| Mai | 30,8 | 23 |
| Juni | 32,0 | 121 |
| Juli | 32,0 | 249 |
| August | 31,9 | 225 |
| September | 30,6 | 14 |
Nur Monate mit mindestens einem Hitzetag sind aufgeführt. Aprildaten basieren auf einem einzigen Ereignis, daher mit Vorsicht zu interpretieren. Quelle: DWD CDC – Station München-Stadt.
Die Zahlen sind eindeutig: Juli und August vereinen zusammen 474 Hitzetage – mehr als zwei Drittel aller 629 registrierten heißen Tage in den letzten 72 Jahren. Im Durchschnitt bringt der Juli 3,4 Hitzetage pro Jahr, der August 3,1. Selbst der Juni zählt 121 heiße Tage (1,7 pro Jahr). Für die Landwirte bedeutet dies, dass die sommerliche Hitzewelle nicht mehr eine kurze Ausnahme ist, sondern sich über gut zwei Monate erstrecken kann.
Die tatsächliche Belastung für Rinder ergibt sich erst aus dem Zusammenwirken von Temperatur und Luftfeuchtigkeit – dem Temperatur-Feuchte-Index (THI). Obwohl der DWD-Datensatz keine THI-Berechnung enthält, lassen sich anhand der Monatsmittel für 2023 die Risikomonate abschätzen. Die Tabelle zeigt die gemittelte Höchsttemperatur und die zugehörige relative Luftfeuchte für jeden Monat des Jahres 2023 an der Station München-Stadt.
| Monat (2023) | Mittlere Tmax (°C) | Mittlere rel. Luftfeuchte (%) |
|---|---|---|
| Januar | 6,0 | 76,7 |
| Februar | 7,3 | 73,4 |
| März | 11,7 | 67,7 |
| April | 12,3 | 71,9 |
| Mai | 19,1 | 70,7 |
| Juni | 26,2 | 55,1 |
| Juli | 26,7 | 61,7 |
| August | 25,7 | 70,3 |
| September | 24,7 | 70,7 |
| Oktober | 18,8 | 70,2 |
| November | 9,1 | 77,0 |
| Dezember | 7,7 | 75,9 |
Bereits im Juni 2023 lag die mittlere Tmax bei 26,2 °C bei einer Luftfeuchte von nur 55 % – die Kombination aus moderater Wärme und niedriger Feuchte bleibt für Tiere meist erträglich. Kritisch wird es im Juli: 26,7 °C plus 62 % relativer Feuchte erzeugen einen THI um 74, was für Milchkühe bereits die Warnschwelle (THI 72) überschreitet. Der August zeigt mit 25,7 °C und 70 % Feuchte eine ähnliche Belastung – die hohe Luftfeuchtigkeit verschlechtert die Wärmeabgabe der Tiere erheblich.
Seit dem 1. Juni 1954 (dem ersten Messtag in der Serie) bis zum 6. Juli 2026 hat die Station München-Stadt ununterbrochen Daten geliefert. In diesen 72 Jahren gab es keinen Monat mit einer höheren Hitzetag-Konzentration als den Juli. Die 249 Julitage mit tmax ≥ 30 °C bedeuten – grob überschlagen – dass im Juli im Schnitt mehr als jeder dritte Tag heiß ist. Legt man die durchschnittliche Tmax von 32,0 °C an diesen 249 Tagen zugrunde, so verbringen die Münchener Weidetiere jeden Sommer etwa 10 bis 11 Tage bei Temperaturen, die den Körper in den Stressmodus zwingen. Und die Spitze bleibt: Der Juli und August zusammen liefern 474 der 629 Hitzetage – das sind 75 % aller extremen Temperaturereignisse in einem Zeitfenster von nur zwei Monaten.
Die DWD-Daten zeigen klar: Wer in München und Umgebung Rinder hält, muss ab Mitte Juni mit Hitzephasen rechnen. Der Juni zählt 121 heiße Tage (1,7 pro Jahr), der Juli 249 (3,4 pro Jahr), der August 225 (3,1 pro Jahr). Ab einer Tmax von 30 °C sinkt die Futteraufnahme bei Milchkühen messbar; bei der Kombination von 32 °C und mehr als 65 % Feuchte – wie im August 2023 mit 70 % Feuchte – kommt es zu akuten Leistungseinbrüchen. Die nächtliche Abkühlung ist dann entscheidend; ob München als Stadt mit nächtlicher Wärmeinsel ausreicht, zeigen die Daten nicht, aber die reinen Tagesmaxima weisen den Juli als Spitzenmonat aus.
Datenquelle: DWD Climate Data Center (CDC) – Station München-Stadt (Kennung 03379). Tägliche Messungen der maximalen Lufttemperatur (tmax) und der relativen Luftfeuchte (hrmedia). Zeitreihe vom 1. Juni 1954 bis 6. Juli 2026. Die Auswertung basiert auf offiziellen, georeferenzierten Daten unter GeonutzV. Für die Tierhaltung relevante Schwellenwerte: THI-Berechnung gemäß Richtlinien der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Keine Datenmanipulation oder interpolierten Werte; jegliche Hitzetag-Zählung erfolgt ausschließlich auf Basis der Rohdaten.
Seite zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2026. Bei Zitierung bitte histoclima.com und den DWD als Quelle anführen.
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