Datenstand: 10. Juli 2026 – Auswertung der DWD-Station Nürnberg (03668) von 1955 bis 2026
Der Dezember ist der nebeligste Monat des ganzen Jahres. Seit dem ersten vollständigen Messjahr 1955 verzeichnete die Nürnberger Wetterstation 182 Tage mit einer Luftfeuchtigkeit von ≥ 95 % – das ist ein Nebeltag beinahe jeden zweiten Dezember. Stellen Sie sich vor: Fast zwei komplette Monate, in denen der Morgennebel die Kirchtürme der Altstadt verschluckt. Im Vergleich zu anderen Monaten liegt der Dezember damit deutlich vorn. Die zweitplatzierte Jahreszeit (November) bleibt weit zurück. Dieser Wert ist kein Einzelfall – er steht stellvertretend für eine immer wiederkehrende Wetterlage im fränkischen Becken.
Warum ist es gerade der Dezember? Die langjährigen Mittelwerte der Klimareferenzperiode 1991–2020 zeigen die Antwort: Mit einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von 86,6 % im Dezember liegt Nürnberg fast am Sättigungspunkt. Gleichzeitig beträgt die mittlere Bewölkung 6,5 von 8 – der Himmel ist fast ständig bedeckt. Die Sonne scheint im Schnitt nur 1,4 Stunden pro Tag, die Temperatur klettert selten über 1,5 °C. Alles Faktoren, die fast ideal für die Bildung von Strahlungsnebel und hochnebelartigen Schichten sind, zumal der Wind mit durchschnittlich 3,3 m/s (etwa Windstärke 2) kaum für Durchmischung sorgt. In den frühen Morgenstunden, wenn die kälteste Luft am Boden liegt und die Feuchte oft über 95 % steigt, kondensiert der Wasserdampf zu dichtem Nebel – dem typischen „Morgennebel“, der sich in Nürnbergs Tallage bis in den Vormittag halten kann.
Die folgende Tabelle zeigt die monatlichen Durchschnittswerte für die Referenzperiode 1991–2020. Die Luftfeuchtigkeit (letzte Spalte) ist der beste Proxy für die Neigung zu Morgennebel: Alles über 80 % deutet auf eine hohe Wahrscheinlichkeit hin. Der Dezember thront an der Spitze, aber auch November (86,3 %) und Januar (83,9 %) liegen im „Nebelbereich“.
| Monat | Temperatur (°C) | Niederschlag (mm) | Wind (m/s) | Luftfeuchte (%) | Sonne (h) | Bewölkung (Achtel) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Jan | 0,7 | 1,3 | 3,4 | 83,9 | 1,9 | 6,2 |
| Feb | 1,5 | 1,2 | 3,3 | 79,8 | 3,0 | 5,8 |
| Mär | 5,1 | 1,3 | 3,4 | 74,0 | 4,2 | 5,4 |
| Apr | 9,7 | 1,1 | 3,0 | 66,7 | 6,2 | 4,9 |
| Mai | 14,1 | 2,0 | 3,0 | 67,4 | 7,1 | 5,1 |
| Jun | 17,5 | 2,1 | 2,8 | 67,4 | 7,6 | 5,1 |
| Jul | 19,4 | 2,5 | 2,8 | 66,9 | 7,7 | 4,8 |
| Aug | 18,9 | 1,9 | 2,5 | 69,3 | 7,3 | 4,6 |
| Sep | 14,2 | 1,6 | 2,6 | 76,3 | 5,5 | 4,9 |
| Okt | 9,4 | 1,6 | 2,8 | 82,8 | 3,7 | 5,5 |
| Nov | 4,7 | 1,6 | 3,0 | 86,3 | 1,9 | 6,4 |
| Dez | 1,5 | 1,6 | 3,3 | 86,6 | 1,4 | 6,5 |
Hinweis: Die Luftfeuchte ist der beste Indikator für häufigen Morgennebel. Werte ≥ 85 % bedeuten praktisch täglich Nebel oder Hochnebel in den Frühstunden.
Die Zahl 182 bezieht sich auf die gesamte Messreihe seit 1955: Es gab genau 182 Dezembertage (also Tage im Dezember), an denen die relative Luftfeuchtigkeit mindestens 95 % betrug. Das entspricht im Durchschnitt 2,6 Nebeltagen pro Dezember, aber die Verteilung ist ungleich. In manchen Wintern liegt eine Hochnebeldecke wochenlang über dem Nürnberger Becken, während andere Dezember vergleichsweise klar sind. Wichtig: Es handelt sich nicht um 182 aufeinanderfolgende Tage – sie summieren sich über die gesamte Beobachtungsperiode von rund 70 Jahren. Trotzdem: Über alle Monate hinweg bleibt der Dezember der unangefochtene Spitzenreiter.
Am anderen Ende der Skala liegen die Sommermonate: Der August hat mit durchschnittlich 69,3 % die niedrigste Luftfeuchtigkeit im Tagesmittel – und entsprechend selten Nebel. Im Juli sind es sogar 66,9 %. Wer also in Nürnberg klare Morgen ohne Nebel erleben will, sollte zwischen Juni und August reisen.
Alle Werte basieren auf den täglichen Aufzeichnungen der DWD-Station Nürnberg (Kennung 03668), die im Climate Data Center des Deutschen Wetterdienstes archiviert sind. Die Station liefert eine der längsten homogenen Reihen in Bayern: Der Datenbestand reicht vom 7. April 1955 bis zum 6. Juli 2026. Die Auswertung der Morgennebel-Neigung verwendet die relative Luftfeuchtigkeit (Tagesmittel ≥ 95 %) als Proxy – ein etabliertes Verfahren, um Nebeltage ohne direkte Sichtbeobachtung zu identifizieren. Die Referenzperiode 1991–2020 dient dem internationalen Standardvergleich.
Quelle: DWD Climate Data Center (CDC), Station Nürnberg (03668). Daten lizenziert unter GeoNutzV. Aufbereitung: histoclima.com – Klimaarchiv für historische Wetterdaten. Abgerufen am 10. Juli 2026.
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