Grippe-Risiko bei nasskaltem Wetter in Leipzig: Der Januar führt die Statistik an

Aktualisiert: 2026-09-29

Wer wissen will, wann das Wetter in Leipzig die Atemwege am stärksten belastet, muss auf den Januar schauen. An 1620 Tagen der Leipziger Messreihe herrschte im Januar nasskaltes Wetter – Tagesmittel unter 5 °C und gleichzeitig Niederschlag. Das sind 39,0 Prozent aller erfassten Januartage. Kein anderer Monat des Jahres kommt auch nur in die Nähe dieses Wertes.

Nasskalte Tage im Januar, Station Leipzig-Holzhausen, Zeitreihe 1760–2025

Datenreihe mit Unterbrechung: keine Daten zwischen 1771 und 1809; die Auswertung deckt die gemessenen Zeiträume ab (1760-2025). Daten aus 1760-1771 und 1809-2025.

Der Januar ist der Monat, in dem in Leipzig alles zusammenkommt: Temperaturen um den Gefrierpunkt, hohe Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Die mittlere Temperatur des Januars liegt an der Station Leipzig-Holzhausen bei 0,0 °C, die mittlere Luftfeuchte bei 85,0 Prozent, und im Mittel fällt an jedem Januartag 1,3 mm Niederschlag. Diese Kombination – Kälte nahe dem Gefrierpunkt plus Feuchtigkeit plus hohe Luftfeuchte – ist genau das Umfeld, in dem sich Erkältungs- und Grippeviren in Innenräumen und in vollen Bussen und Bahnen am wohlsten fühlen.

Noch deutlicher wird es, wenn man die sogenannten Risikotage betrachtet: Tage, an denen es nicht nur nasskalt ist, sondern zusätzlich die Luftfeuchte 80 Prozent oder mehr erreicht. Solche Bedingungen herrschten im Januar an 1373 Tagen, das sind 33,1 Prozent aller Januar-Betrachtungstage. Auch hier ist der Januar Spitzenreiter unter allen zwölf Monaten.

Der Dezember ist der zweitkritischste Monat

Direkt hinter dem Januar folgt der Dezember. An 1536 Tagen war es in Leipzig im Dezember nasskalt, das entspricht 37,0 Prozent der Dezembertage. Mit 1,3 °C mittlerer Temperatur liegt der Dezember noch etwas milder als der Januar, doch die mittlere Luftfeuchte erreicht mit 86,0 Prozent den höchsten Wert aller Monate. Genau diese hohe Luftfeuchte ist es, die die Schleimhäute belastet und die Abwehrkraft senkt. An 1354 Tagen im Dezember wurden zusätzlich die Risikobedingungen mit Luftfeuchte ab 80 Prozent erreicht – das sind 32,6 Prozent der Dezembertage.

Der Februar, im Kalender zwischen den beiden Hauptmonaten gelegen, fällt in Leipzig etwas weniger feucht-kalt aus: 1406 nasskalte Tage und 37,1 Prozent Anteil. Die mittlere Luftfeuchte ist mit 82,6 Prozent niedriger als im Januar und Dezember. Die Temperatur liegt im Februarmittel bei 1,1 °C. An 1133 Tagen wurden auch die zusätzlichen Risikobedingungen erfüllt, was 29,9 Prozent der Februartage entspricht.

November und März: die Übergangsmonate mit moderatem Risiko

Im November sinken die Temperaturen wieder auf durchschnittlich 4,5 °C, und die Luftfeuchte liegt bei 85,0 Prozent. An 948 Tagen – 23,6 Prozent der Novembertage – wurden nasskalte Bedingungen registriert. Mit 839 Tagen und einem Anteil von 20,9 Prozent liegen die Risikotage im November deutlich unter den Wintermonaten, aber klar über dem Frühjahr.

Im März steigt die Temperatur auf 4,2 °C im Mittel, die Luftfeuchte sinkt auf 77,4 Prozent. Noch an 1099 Tagen war es nasskalt (26,5 Prozent der Märztage), doch die Zahl der Risikotage fällt auf 727 – ein Anteil von 17,5 Prozent.

April und Oktober: der Übergang ins milde Wetter

Ab April bricht das nasskalte Wetter in Leipzig deutlich ein. Bei einer mittleren Temperatur von 8,7 °C wurden nur noch an 361 Tagen nasskalte Bedingungen erfasst, was 9,0 Prozent der Apriltage entspricht. Die Zahl der Risikotage sinkt auf 197, also 4,9 Prozent. Der Oktober mit 9,4 °C mittlerer Temperatur und 82,0 Prozent Luftfeuchte brachte an 181 Tagen nasskaltes Wetter (4,4 Prozent) und an 154 Tagen die zusätzlichen Risikobedingungen (3,7 Prozent).

Die nasskalten Tage im Jahresvergleich

Die folgende Tabelle zeigt für die Station Leipzig-Holzhausen, wie sich nasskalte Tage und Risikotage über das Jahr verteilen. Die Daten stammen aus der gesamten Messreihe von 1760 bis 2025. Jeder Monat steht für einen Kalendermonat über alle Jahre hinweg.

Monat Nasskalte Tage Anteil nasskalt Risikotage (mit hoher Luftfeuchte) Anteil Risikotage Mittlere Temperatur Mittlere Luftfeuchte
Januar162039,0 %137333,1 %0,0 °C85,0 %
Februar140637,1 %113329,9 %1,1 °C82,6 %
März109926,5 %72717,5 %4,2 °C77,4 %
April3619,0 %1974,9 %8,7 °C71,2 %
Mai360,9 %250,6 %13,5 °C69,4 %
Juni00,0 %00,0 %17,1 °C69,8 %
Juli00,0 %00,0 %18,7 °C70,2 %
August00,0 %00,0 %18,1 °C71,9 %
September00,0 %00,0 %14,3 °C77,1 %
Oktober1814,4 %1543,7 %9,4 °C82,0 %
November94823,6 %83920,9 %4,5 °C85,0 %
Dezember153637,0 %135432,6 %1,3 °C86,0 %

Was die Tabelle für Leipzig bedeutet

Die Botschaft der Daten ist klar und sie ist erstaunlich scharf: Von Juni bis September kennt Leipzig überhaupt kein nasskaltes Wetter. In den vier Sommermonaten liegt die Zahl der nasskalten Tage jeweils bei 0, ebenso die Zahl der Risikotage – sechs Monate der 1760 bis 2025 reichenden Messreihe verzeichnen also im Sommer nicht einen einzigen Tag mit dieser Belastung. Die mittleren Temperaturen liegen in diesem Zeitraum zwischen 14,3 °C im September und 18,7 °C im Juli, die Luftfeuchte zwischen 69,8 und 77,1 Prozent. In dieser Jahreszeit gibt es für das Erkältungsrisiko also praktisch keine Grundlage.

Anders sieht es im Winterhalbjahr aus. Zwischen November und März liegt die Luftfeuchte zwischen 77,4 und 86,0 Prozent, die mittlere Temperatur zwischen 0,0 und 4,5 °C. In dieser Spanne fällt der Niederschlag – im Monatsmittel zwischen 1,3 und 1,5 mm pro Tag – auf kalte Böden und kalte Luft. Die Schleimhäute trocknen nicht aus, sie kühlen aus und werden durch die hohe Feuchte zusätzlich belastet. Der Januar datiert dabei mit 0,0 °C Mitteltemperatur genau an der Grenze zwischen Frost und Tauwetter, was ihn zum kritischsten Monat der Leipziger Wetterstatistik macht. Wer im Januar oder Dezember in Leipzig unterwegs ist, sollte mit nasskaltem Wetter rechnen – statistisch an jedem dritten Tag.

Ein Blick auf die Randmonate lohnt sich ebenfalls: Der Mai bildet mit nur 36 nasskalten Tagen und 25 Risikotagen bereits den Übergang zum Sommer. Der Oktober mit 181 nasskalten und 154 Risikotagen markiert den Beginn der zweiten Jahreshälfte, in der das Risiko wieder ansteigt, aber noch deutlich unter den Winterwerten liegt. Die kritische Phase für Erkältungen in Leipzig konzentriert sich damit auf die Monate November bis März, mit dem absoluten Höhepunkt im Januar.

Die Leipziger Messreihe im Überblick

Die hier ausgewerteten Daten der Station Leipzig-Holzhausen reichen vom 1. Januar 1760 bis zum 31. Dezember 2025. Die Station liegt auf 138 m Höhe. In die Auswertung eingehen nur vollständige Jahre; einzelne Jahre mit unvollständiger Überlieferung bleiben außen vor, sodass die Mittelwerte und Summen über einen konsistenten Datenbestand gebildet werden. Die Einordnung nasskalter Tage folgt der offiziellen Definition des DWD: Tagesmitteltemperatur unter 5 °C bei gleichzeitigem Niederschlag. Risikotage sind eine engere Kategorie, bei der zusätzlich die mittlere Luftfeuchte des Tages 80 Prozent oder mehr beträgt.

Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center, Station Leipzig-Holzhausen (02928), Periode 1760–2025. Lizenz: GeoNutzV.

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Rechtliche Hinweise und Datenquelle

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