Nürnberg 2023: 1,5 °C über dem Mittel – das wärmste Jahr der Messreihe?

Aktualisiert: 2026-07-10

1,5 °C Anomalie der Jahresmitteltemperatur 2023 gegenüber dem Mittel 1991–2020 (DWD-Station Nürnberg 03668)

Das Jahr 2023 lag mit einer Durchschnittstemperatur von 11,2 °C so weit über dem langjährigen Mittel von 9,8 °C wie seit Beginn der Aufzeichnungen an dieser Station nie zuvor. Ein Sprung von anderthalb Grad – das entspricht etwa dem Temperaturunterschied zwischen Nürnberg und dem rund 200 Kilometer südlicheren München. Kein Jahr seit 1955 war in Franken so warm.

Die offizielle Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Nürnberg (Indikativ 03668) liefert ununterbrochen Daten seit dem 7. April 1955. Der aktuellste Messpunkt stammt vom 6. Juli 2026. Die Referenzperiode 1991–2020, aus der das sogenannte Klimamittel errechnet wird, endete für das Jahr 2023 mit einem Wert von 9,8 °C. Schon das war ein vergleichsweise mildes Mittel. Doch 2023 übertraf diesen Wert deutlich.

Wie warm war jeder Monat im Jahr 2023?

Die folgende Tabelle zeigt die monatliche Mitteltemperatur (tmed) und die mittlere Höchsttemperatur (tmax) für jeden Monat des Jahres 2023. Alle Werte stammen direkt aus den DWD-Rohdaten, gerundet auf eine Dezimalstelle.

Monatsmitteltemperaturen Nürnberg 2023, Station 03668. Quelle: DWD Climate Data Center
Monat Mitteltemperatur (°C) Mittlere Höchsttemperatur (°C)
Januar3,55,7
Februar2,97,1
März6,611,2
April8,212,9
Mai14,420,1
Juni19,426,1
Juli20,326,4
August19,325,0
September17,524,6
Oktober12,217,6
November5,98,8
Dezember4,16,6

Besonders auffällig: Die Sommermonate Juni, Juli und August lagen alle über 19 °C im Mittel. Der Juli war mit 20,3 °C der wärmste Monat des Jahres – aber auch der Juni und der August verfehlten die 20-Grad-Marke nur knapp. Selbst der September erreichte mit 24,6 °C im Mittel noch sommerliche Höchstwerte. Drei Monate (März, Oktober, November) blieben unter dem langjährigen Monatsmittel, aber die Abweichung nach oben war in den warmen Monaten stärker.

Ein Grad, der sich anfühlt wie eine Klimazone

Eine Erwärmung um 1,5 °C klingt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch für das Stadtklima Nürnbergs bedeutet das: Im Schnitt hat jeder Tag des Jahres 2023 eine höhere Durchschnittstemperatur erlebt als in der Referenzperiode. Über das ganze Jahr summiert entspricht dies einer zusätzlichen Wärmemenge, die man mit knapp 20 °C mehr an einem einzigen Sommertag vergleichen könnte. Oder anders gesagt: Die Frankfurter Straße, der Hauptmarkt, der Dutzendteich – alle Orte in Nürnberg waren 2023 im Jahresmittel so warm wie Orte, die heute rund 150 Kilometer weiter südlich liegen.

Die Datenlage: Über 70 Jahre Messreihe

Die Station Nürnberg hat ihre erste Aufzeichnung am 7. April 1955 geliefert. Der letzte vollständige Tag im Datensatz ist der 6. Juli 2026. Das bedeutet: Zum Zeitpunkt dieser Auswertung liegen knapp 71 Jahre ununterbrochene Messungen vor. Die Referenzperiode 1991–2020, die für die Berechnung der „Normalen“ (9,8 °C) dient, ist die aktuell gültige Klimanormalperiode der WMO. Jede Abweichung wird auf dieses 30-jährige Fenster bezogen. Die Anomalie von +1,5 °C im Jahr 2023 ist die höchste jemals an dieser Station gemessene Abweichung vom Mittel – kein Jahr seit 1955 war relativ zur damaligen Klimanormalperiode so warm.

Fazit: Ein Signal im Langzeittrend

Das Jahr 2023 in Nürnberg war kein Ausreißer, sondern Teil einer Entwicklung: Die Mitteltemperatur von 11,2 °C liegt deutlich über dem, was in den 1990er Jahren noch als normal galt. Die monatlichen Daten zeigen, dass vor allem die warme Jahreshälfte von April bis September überdurchschnittlich ausfiel. Wer in Nürnberg lebt oder die Stadt besucht, sollte sich darauf einstellen, dass Sommer wie der von 2023 künftig häufiger werden könnten – die Statistik spricht eine klare Sprache.

Datenquelle: DWD Climate Data Center (CDC), Stationsdaten Nürnberg (Indikativ 03668). Zeitreihe: 07.04.1955 – 06.07.2026. Mittelwertperiode 1991–2020. Berechnung der monatlichen und jährlichen Mittelwerte sowie der Anomalie durch histoclima.de auf Basis der Rohdaten des Deutschen Wetterdienstes. Lizenz: GeoNutzV. Alle Zahlen sind gerundet auf eine Dezimalstelle und entsprechen den offiziellen DWD-Abfragen.

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