Aktualisiert: 10. Juli 2026 – Datenbasis bis 2026-07-06
Wer in Berlin lebt oder einen Umzug in die Hauptstadt plant, bekommt es seit Jahrzehnten mit einer unübersehbaren Entwicklung zu tun: Es wird wärmer. Nicht nur gefühlt, sondern gemessen – Tag für Tag, Jahr für Jahr, von der offiziellen Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Berlin-Tempelhof. Die Zahlenreihe, die hier vorgestellt wird, beginnt im Jahr 1948 und reicht bis in den Juli 2026. Keine Prognose, keine Modellrechnung: harte, von der DWD-Zentrale bereitgestellte Messwerte. Und sie zeigen einen klaren Anstieg.
Im Jahr 1974 lag die mittlere Jahrestemperatur 10,1 Grad.
Im Jahr 2023 waren es 11,6 Grad.
Das bedeutet eine Erwärmung um 1,5 Grad in 49 Jahren.
Dieser Anstieg ist kein Einzelfall – er passt in eine Abfolge von Jahrzehnten, die kontinuierlich wärmer wurden. Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Temperaturen pro Dekade, berechnet aus allen Tagesdaten der Berliner Station Tempelhof (Kennung 00433).
Die Daten des DWD für die Station Tempelhof reichen bis 1948 zurück. Für die Gegenüberstellung der Dekaden wurden alle Jahre von 1970 bis 2024 ausgewertet. Jede Zeile steht für ein komplettes Jahrzehnt – oder, im Fall von 2020–2024, für die ersten fünf Jahre des aktuellen Jahrzehnts.
| Dekade | Ø Temperatur (°C) | Ø Tagesmaximum (°C) |
|---|---|---|
| 1970–1979 | 9,05 | 13,06 |
| 1980–1989 | 9,09 | 13,11 |
| 1990–1999 | 9,73 | 13,81 |
| 2000–2009 | 10,17 | 14,34 |
| 2010–2019 | 10,30 | 14,70 |
| 2020–2024 | 11,06 | 15,62 |
Die wärmste Dekade in dieser Reihe ist 2020–2024 mit einer mittleren Temperatur von 11,06 Grad. Zum Vergleich: In den 1970er Jahren lag der Schnitt noch bei 9,05 Grad. Das ist ein Sprung von rund 2 Grad – so groß wie der Unterschied zwischen dem derzeitigen Klima in Berlin und dem in Städten wie Frankfurt oder Stuttgart. Die Tagesmaxima folgen demselben Trend: von 13,06 auf 15,62 Grad, also eine Zunahme von mehr als zweieinhalb Grad. Das bedeutet mehr heiße Tage, mehr Tropennächte, längere Hitzewellen.
Im selben Zeitraum von 1970 bis 2024 liegt Berlin im Mittelfeld der wärmsten Bundesländer. Die Tabelle zeigt die zehn Regionen mit der höchsten Durchschnittstemperatur – Berlin belegt den geteilten ersten Rang.
| Bundesland | Ø Temperatur (°C) | Ø Tagesmaximum (°C) |
|---|---|---|
| Berlin | 9,8 | 13,8 |
| Bremen | 9,8 | 13,3 |
| Hamburg | 9,7 | 13,0 |
| Saarland | 9,7 | 14,0 |
| Nordrhein-Westfalen | 9,6 | 13,7 |
| Brandenburg | 9,5 | 13,9 |
| Rheinland-Pfalz | 9,4 | 13,7 |
| Niedersachsen | 9,3 | 13,1 |
| Hessen | 9,2 | 13,5 |
| Baden-Württemberg | 9,1 | 13,8 |
Berlin teilt sich mit Bremen den Spitzenplatz bei der Durchschnittstemperatur (9,8 Grad). Bei den Tagesmaxima liegt Berlin mit 13,8 Grad auf Augenhöhe mit Baden-Württemberg und Brandenburg, aber knapp hinter dem Saarland (14,0 Grad). Die städtische Wärmeinsel – mehr versiegelte Flächen, weniger Vegetation, Abwärme – macht sich messbar bemerkbar. Die Station Tempelhof befindet sich zwar in einem Park, doch die umliegende Bebauung und der Flughafenrest beeinflussen die Werte.
Die Dekade 2020–2024 sticht heraus: Mit einer Mitteltemperatur von 11,06 Grad ist sie die wärmste seit 1948. In diesen fünf Jahren gab es mehr als die Hälfte aller extrem heißen Tage der gesamten Messreihe. Das sind nicht nur statistische Ausreißer – es ist ein beschleunigter Trend. Wer in Berlin lebt, hat die Sommer 2022, 2023 und 2024 erlebt: Dürre, Waldbrände in Brandenburg, Hitzewarnungen im Juni und September. Der DWD zählt für diesen Fünfjahreszeitraum eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 15,62 Grad – fast so hoch wie das langjährige Mittel der Tagesdurchschnittstemperatur in Südspanien.
Die Messreihe stammt von der DWD-Station Berlin-Tempelhof (Kennung 00433) und ist durchgehend von 1948 bis Juli 2026 verfügbar. Sie gilt als eine der längsten und konsistentesten Reihen in Berlin. Die hier gezeigten Werte wurden aus den täglichen Messungen der Lufttemperatur (2 Meter Höhe) berechnet – und zwar für alle Tage, an denen gültige Daten vorlagen. Die Mittelwerte pro Dekade sind gerundet, der Anstieg von 1974 auf 2023 wurde direkt aus dem DWD-Jahresmittel berechnet. Alle Zahlen sind im Climate Data Center des DWD unter offener Lizenz (GeoNutzV) abrufbar.
Eine Erwärmung um 1,5 Grad klingt nach wenig, ist aber im städtischen Kontext enorm. Die Vegetationsperiode beginnt heute etwa drei Wochen früher als in den 1970er Jahren. Die Zahl der Frosttage ist um rund 25 zurückgegangen – die Daten der Station Tempelhof zeigen, dass die Zahl der Eistage (Tmax unter 0 °C) in den 2020er Jahren auf ein historisches Tief gefallen ist. Der Trend bestätigt sich auch im Ranking der Bundesländer: Berlin liegt seit Jahrzehnten vorn, und der Abstand zu den kühleren Regionen wie Baden-Württemberg oder Hessen wächst.
Für jeden, der in Berlin lebt oder eine Reise plant: Packen Sie auch im Frühling und Herbst leichtere Kleidung ein. Die Hitzewellen kommen früher und bleiben länger. Der DWD wird die Station Tempelhof weiter betreiben – die nächsten Jahre werden zeigen, ob die 2020er Dekade einen neuen Rekord bringen wird.
Datenquelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center (CDC), Stationsdaten Berlin-Tempelhof (00433) – tägliche Messungen, lizenziert unter GeoNutzV. Stand der Daten: 6. Juli 2026. Berechnungen und Darstellung durch histoclima.com.
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