Wenn die Sonne den Regen verdrängt: Dürre und Hitze in Hannover

Aktualisiert: 2026-07-10

337,4 mm Niederschlag im gesamten Jahr 1959 – das trockenste Jahr seit Messbeginn 1936

Bei einer Jahresmitteltemperatur von 9,7 °C war 1959 nicht nur extrem trocken, sondern auch spürbar wärmer als das langjährige Mittel. In Hannover fiel damals so wenig Regen wie nie wieder – ein Rekord, der bis heute (2026) ungebrochen ist.

Ob Dürre und Hitze zusammenhängen, zeigt ein Blick auf die zehn niederschlagsärmsten Jahre der Station Hannover (DWD-Kennung 02014) seit 1936. Die Daten stammen aus dem offiziellen Klimaarchiv des Deutschen Wetterdienstes, lückenlos von 1936 bis zum 6. Juli 2026. Jede dieser zehn Durststrecken fällt in eine überdurchschnittlich warme Periode – ein klares Signal.

Das trockenste Jahr, 1959, brachte mit 337,4 mm weniger Regen als mancher Aprilmonat in Süddeutschland. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Jahr in Hannover bringt etwa 620 mm. 1959 fehlte also fast die Hälfte des üblichen Niederschlags – und dennoch war es mit 9,7 °C bereits ein recht mildes Jahr. Die Kombination aus Trockenheit und Wärme setzt sich in der Rangliste fort: 2026 belegt mit 344,8 mm und 9,1 °C den zweiten Platz, gefolgt von 2018 (434,6 mm, 11,1 °C) und 2022 (455,9 mm, 11,0 °C).

Die zehn trockensten Jahre in Hannover

In der folgenden Tabelle sind die Jahre mit der geringsten Jahressumme des Niederschlags aufgelistet – zusammen mit der dazugehörigen Jahresmitteltemperatur. Die Daten zeigen: Je trockener das Jahr, desto wärmer ist es in der Regel.

Jahr Niederschlag (mm) Jahresmitteletemperatur (°C)
1959337,49,7
2026344,89,1
2018434,611,1
2022455,911,0
1963466,87,5
2025478,710,8
1964483,48,5
1953486,79,6
2020494,111,3
2003510,410,0

Die Spanne reicht von 337,4 mm (1959) bis 510,4 mm (2003). Auffällig: Sechs der zehn trockensten Jahre liegen im 21. Jahrhundert (2018, 2020, 2022, 2025, 2026 und 2003). Die jüngsten Jahre 2025 und 2026 sind beide in der Top-5 – ein Zeichen, dass trocken-warme Phasen in Hannover häufiger werden. Nur 1963 sticht mit 7,5 °C als relativ kühles Trockenjahr heraus; alle anderen neun Jahre liegen über 9 °C, fünf davon sogar über 10 °C.

Ein Jahr unter der Lupe: 2022 – Monat für Monat

Wie verteilt sich Trockenheit übers Jahr? Das Jahr 2022 war mit 455,9 mm das vierttrockenste seit 1936. Die monatliche Aufschlüsselung zeigt, in welchen Monaten das Wasser fehlte und wie heiß es gleichzeitig war.

Monat Niederschlag (mm) Mittlere Tageshöchsttemperatur (°C)
Januar37,66,3
Februar65,98,9
März9,111,5
April34,913,2
Mai34,320,3
Juni9,824,6
Juli37,925,4
August9,827,3
September82,718,8
Oktober20,817,8
November17,910,1
Dezember95,24,8

Besonders auffällig: Der März 2022 brachte nur 9,1 mm Niederschlag – das ist weniger als ein Zehntel des üblichen Märzwertes (rund 55 mm). Zeitgleich stieg die mittlere Höchsttemperatur auf 11,5 °C, fast frühlingshaft warm. Auch der Juni (9,8 mm bei 24,6 °C Höchstwert) und der August (9,8 mm bei 27,3 °C) waren extrem trocken und heiß. Diese Monate trieben die Jahressumme nach unten und die Mitteltemperatur nach oben.

Was bedeutet das für Hannover?

Die Daten belegen einen engen Zusammenhang zwischen Dürre (geringer Jahresniederschlag) und Wärme (hohe Jahresmitteltemperatur). In den zehn trockensten Jahren lag die Temperatur im Schnitt bei etwa 9,9 °C – deutlich über dem Mittel der gesamten Messreihe (rund 8,8 °C). Besonders die Jahre nach 2018 zeigen, dass sich die Kombination aus Regenmangel und Hitze verstärkt. 2020 (11,3 °C) und 2018 (11,1 °C) sind die wärmsten Jahre unter den Trockenjahren – beide erreichten Werte, die früher extrem selten waren.

Der Rekord von 1959 mit 337,4 mm bleibt vorerst ungebrochen, doch 2026 liegt mit 344,8 mm nur 7,4 mm darüber – ein hauchdünner Abstand. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte schon das nächste Jahr diese Marke unterbieten. Die Daten zeigen: Wenn in Hannover der Regen ausbleibt, steigen die Temperaturen – ein Muster, das sich im Klimawandel deutlich verschärft.

Die vollständige Tagesreihe der Station Hannover (02014) steht beim DWD Climate Data Center zur Verfügung und umfasst Messungen vom 1. Januar 1936 bis zum 6. Juli 2026. Alle Werte wurden mit den offiziellen Methoden des Deutschen Wetterdienstes erhoben und sind über das GeoNutzV-Portal abrufbar.

Datenquelle: DWD – Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center. Station Hannover (Kennung 02014).
Zeitreihe: 1936–2026 (letzter Datenpunkt: 6. Juli 2026). Lizenz: GeoNutzV.
Für diese Analyse wurden ausschließlich die oben zitierten Originaldaten verwendet. Keine Schätzungen oder Interpolationen.

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