Aktualisiert: 2026-07-17
Die Frage, ob ausgerechnet die niederschlagsärmsten Jahre in Bremen auch die wärmsten sind, lässt sich mit den offiziellen Daten der DWD-Station Bremen (Kennung 00691) für den Zeitraum 1890–2026 klar beantworten. Die folgende Analyse zeigt die zehn trockensten Jahre der langen Messreihe – und ihre jeweilige Jahresmitteltemperatur.
124,0 mmNiederschlag im trockensten Jahr: 1945
Das Jahr 1945 ist mit nur 124,0 mm Gesamtniederschlag das bei weitem trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1890. Es blieb damals weniger als ein Fünftel des durchschnittlichen Jahresniederschlags – das entspricht einer Trockenperiode, die sich über mehr als zehn Monate hinzog. Die Jahresmitteltemperatur lag 1945 bei lediglich 1,3 °C, also nicht einmal halb so hoch wie in den meisten anderen Jahren dieser Liste. Das zeigt: In Bremen sind extreme Dürre und große Kälte keineswegs ein Widerspruch.
Die folgende Tabelle listet die Jahre mit dem geringsten Jahresniederschlag auf, zusammen mit der gemessenen Jahresmitteltemperatur. Die Daten stammen von der DWD-Station Bremen (00691) und umfassen den gesamten verfügbaren Zeitraum.
| Jahr | Niederschlag (mm) | Jahresmitteltemperatur (°C) |
|---|---|---|
| 1945 | 124,0 | 1,3 |
| 2026 | 291,6 | 9,5 |
| 1959 | 404,4 | 9,8 |
| 1996 | 446,0 | 7,7 |
| 1929 | 446,4 | 8,3 |
| 2018 | 449,2 | 11,1 |
| 1907 | 457,1 | 8,8 |
| 2025 | 460,6 | 10,6 |
| 1904 | 497,2 | 9,3 |
| 1946 | 500,9 | 10,4 |
Ein genauer Blick auf die Werte offenbart, dass trockene Jahre in Bremen keineswegs zwangsläufig warm sind. Das trockenste Jahr 1945 war mit 1,3 °C sogar das kälteste Jahr in dieser Rangliste. Andere trockene Jahre wie 2018 (449,2 mm, 11,1 °C) oder 2025 (460,6 mm, 10,6 °C) waren dagegen deutlich wärmer. Der Unterschied zwischen dem kältesten und dem wärmsten Jahr unter den trockensten beträgt fast 10 °C. Die Bandbreite der Jahresmitteltemperaturen in dieser Liste reicht von 1,3 °C (1945) bis 11,1 °C (2018). Eine einfache Gleichung „trocken = heiß“ lässt sich aus den Daten also nicht ableiten. Vielmehr scheinen die großräumigen Wetterlagen eine entscheidende Rolle zu spielen: Manche Trockenjahre entstehen durch anhaltende Hochdrucklagen im Winter (mit Kälte), andere durch sommerliche Hitzewellen.
Das zweittrockenste Jahr 2026 (291,6 mm) liegt mit einer Jahresmitteltemperatur von 9,5 °C im Mittelfeld der Liste. Das Jahr 1959 (404,4 mm, 9,8 °C) zeigt ein ähnliches Muster. Besonders auffällig ist, dass die Jahre 1945 und 1946 unmittelbar aufeinander folgen: Auf das extrem trockene und kalte Jahr 1945 folgte das ebenfalls trockene Jahr 1946 (500,9 mm), das mit 10,4 °C bereits deutlich wärmer war. Das unterstreicht, wie schnell sich die klimatischen Bedingungen ändern können.
Um die Dynamik von Trockenheit und Hitze besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf ein konkretes Jahr. Die folgende Tabelle zeigt für das Jahr 2023 (das letzte vollständige Jahr vor dem Höchststand der Datenerhebung) die monatliche Niederschlagssumme und die jeweils höchste gemessene Tageshöchsttemperatur. So wird sichtbar, wie sich Trockenheit und Hitze innerhalb eines Jahres verteilen.
| Monat | Niederschlag (mm) | Höchste Tageshöchsttemperatur (°C) |
|---|---|---|
| Januar | 70,1 | 16,1 |
| Februar | 36,5 | 12,5 |
| März | 86,1 | 17,2 |
| April | 43,2 | 23,2 |
| Mai | 26,2 | 25,9 |
| Juni | 100,5 | 29,7 |
| Juli | 147,5 | 33,1 |
| August | 73,8 | 29,0 |
| September | 4,9 | 30,9 |
| Oktober | 151,6 | 23,2 |
| November | 112,8 | 14,1 |
| Dezember | 138,5 | 13,0 |
Der September 2023 sticht in dieser monatlichen Aufstellung hervor: Mit nur 4,9 mm Niederschlag war er der mit Abstand trockenste Monat des Jahres. Die höchste gemessene Tageshöchsttemperatur lag bei 30,9 °C – das ist einer der höchsten Werte des ganzen Jahres und zeigt, dass Trockenheit und Hitze im September 2023 tatsächlich Hand in Hand gingen. Zum Vergleich: Der Juli 2023 verzeichnete mit 147,5 mm den meisten Niederschlag des Jahres und gleichzeitig mit 33,1 °C die absolute Höchsttemperatur. Im Juli regnete es also am meisten, aber es wurde auch am heißesten. Das widerlegt auf Monatsebene die einfache Annahme, dass viel Regen automatisch kühlere Bedingungen bedeutet.
Der Mai 2023 (26,2 mm, 25,9 °C) war ebenfalls relativ trocken und warm, während der April (43,2 mm, 23,2 °C) und der Oktober (151,6 mm, 23,2 °C) bei gleicher Höchsttemperatur sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen aufwiesen. Diese monatliche Aufschlüsselung macht deutlich, wie komplex das Zusammenspiel von Niederschlag und Temperatur ist.
Die Daten der DWD-Station Bremen, die bis zum 15. Juli 2026 reichen, zeigen klar: Die trockensten Jahre in Bremen sind nicht zwangsläufig die wärmsten. Das extrem trockene Jahr 1945 war sehr kalt, während die Jahre 2018 und 2025 sowohl trocken als auch warm waren. Die monatliche Betrachtung des Jahres 2023 offenbart zudem, dass der trockenste Monat (September) eine der höchsten Temperaturen aufwies, während der niederschlagsreichste Monat (Juli) die absolute Höchsttemperatur des Jahres brachte. Die Korrelation zwischen Trockenheit und Hitze existiert in Bremen – aber sie ist keineswegs zwingend. Die großräumige Wetterlage entscheidet letztlich darüber, ob eine Trockenperiode mit Kälte oder mit Hitze einhergeht.
Für alle, die den Klimawandel in Bremen konkret nachvollziehen möchten, bieten diese historischen Daten die objektive Grundlage. Die originale Messreihe ab 1890 erlaubt es, jedes einzelne Jahr im Vergleich zu sehen – weit über die hier gezeigten trockensten Jahre hinaus.
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Climate Data Center – Daten der Station Bremen (Kennung 00691). Zeitraum: 1890–01–01 bis 2026–07–15. Lizenz: GeoNutzV. Daten abgerufen am 17. Juli 2026. Die Werte sind gerundete Originaldaten (Niederschlag auf 1 Dezimale, Temperatur auf 1 Dezimale). Weitere Informationen auf dwd.de.
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